Abschied vom Bergbau: Glück auf!

Eine Ära geht zu Ende, es ist Schicht im Schacht: 2018 schließt in Deutschland auch das letzte Bergwerk. Die Zechen haben das Ruhrgebiet geprägt wie wohl keine andere Branche. Ein Teil der Fördertürme ist unserer Region erhalten geblieben, sie gelten als “Kathedralen im Pott”. Seit Wochen und Monaten würdigen die Medien das Ende des Bergbaus mit Extrabeilagen und Dokumentationen, die Ruhrgebietsmuseen zeigen Sonderausstellungen, es gibt zahlreiche Verabschiedungsevents. Was bleibt: Erinnerungen.

Halde Haniel

Am 21. Dezember 2018 endet die Förderung auf dem Verbundbergwerk Prosper Haniel in Bottrop. Seit der Schließung der Zeche Auguste Victoria im Dezember 2015 ist es das letzte aktive Steinkohlen-Bergwerk im Ruhrgebiet. Bei einer Abschlussveranstaltung soll dem Bundespräsidenten die letzte deutsche Steinkohle übergeben werden.

Zeche Zollverein

Das berühmteste Bergwerk im Ruhrgebiet ist wahrscheinlich die Zeche Zollverein. Sie galt als „Schönste Zeche des Ruhrgebiets“, als „Wunderwerk der Technik“, als „Kathedrale der Industriekultur“. Das Bergwerk war eine Zeit lang das größte und leistungsfähigste weltweit. Über und unter Tage waren bis zu 8.000 Bergleute beschäftigt. Insgesamt haben bis zur Schließung 1986 mehr als 600.000 Menschen auf Zollverein gearbeitet.

Die Ernennung zum UNESCO-Welterbe 2001 war der Startschuss für den Ausbau des Gesamtgeländes zu einem Kultur- und Wirtschaftsstandort. Immer mehr Besucher aus dem In- und Ausland besuchen die Zeche Zollverein. Auch für uns Ruhris ist sie ein beliebtes Ausflugsziel – immer und immer wieder.

Bergbau Kumpel

Auf dem Gelände von Zollverein habe ich auch dieses Foto eines Bergmanns gemacht. Die Kumpel galten als ehrlich, verlässlich, motiviert und stolz. Sie haben sich mit ihrer Arbeit extrem identifiziert. Dabei war ihre Nationalität nebensächlich: Bergmann ist Bergmann – egal welche Hautfarbe, egal welcher Glaube, egal welcher Pass.

Ich kenne einige ehemalige Bergleute. Sie alle waren gerne aufm Pütt, obwohl die Arbeit schwer, dreckig und gefährlich war. Was die Kumpel an ihrem Beruf geschätzt haben, das war die vielfach beschworene Gemeinschaft, ihr Zusammenhalt und das bedingungslose Eintreten füreinander.

Heilige Barbara

Beistand gab es auch von ihrer Schutzpatronin, der Heiligen Barbara. Sie ist die einzige Frau im von Männern dominierten Bergbau und stiftet als Schutzpatronin Segen und gibt Hoffnung.

Der Überlieferung nach stammt Barbara aus Nikomedia, der heutigen Stadt Izmit in der Türkei. In ihrer Jugend soll sie sich dem damals verfolgten Christentum angeschlossen haben. Angeblich sperrte Barbaras erzürnter Vater seine christliche Tochter zur Strafe in einen hohen Turm. Doch selbst das brachten sie nicht vom Glauben ab, sie ließ sich offenbar sogar taufen. Ihr Vater beschloss daraufhin, seine Tochter zu töten, doch sie konnte vor ihm entkommen: Wie von Zauberhand soll sich ein Felsspalt geöffnet haben, um ihr ein Versteck vor den Verfolgern zu bieten. Verraten von einem Hirten aber wurde Barbara gefangen – und vom eigenen Vater eigenhändig enthauptet.

Eine blutige Geschichte, auf die eines der bekanntesten Barbara-Attribute zurückgeht: der kleine Turm, den sie bei vielen Darstellungen im Arm trägt. Die katholische Kirche hat diese Legende aufgegriffen und die Barbara zur Schutzheiligen ernannt. Der Hinweis auf den Felsspalt, in dem Barbara der Legende nach Unterschlupf fand, machte sie schließlich zur Patronin der Bergleute.

Bergbau

In den letzten Wochen ist mir der Bergmannsgruß “Glück auf” so oft begegnet wie nie zuvor. Es gab “Glückauf-Wochen” beim Bäcker, etliche TV-Dokumentationen über den Bergbau und Sonderbeilagen in der Zeitung.

Mit “Glück auf!” wünschten sich die Bergleute ein gesundes Ausfahren aus dem Bergwerk nach getaner Arbeit. Viele haben ihre letzte Schicht aufm Pütt jetzt hinter sich.

Halde Haniel

Wie gerne hätte ich auch mal eine Grubenfahrt gemacht! Leider hatte ich dazu keine Gelegenheit. Deshalb blieb mir auf dem Weg zur Halde Haniel leider nur das Probesitzen im schienengebundenen Fahrungswagen, der die Bergleute unter Tage an ihren Arbeitsplatz brachte.

Bergbau

Bei der Erinnerung an den Bergbau darf natürlich eines nicht fehlen: das Steigerlied. Seit Jahrhunderten gehört es zur Bergmannsfolklore, jeder Bergmannschor hat es im Repertoire. Einige Passagen sind fast 500 Jahre alt. Hier ist der Liedtext:

Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht
schon angezündt, schon angezündt.

Schon angezündt! Ds wirft seinen Schein,
und damit so fahren wie bei der Nacht
und damit so fahren wie bei der Nacht
ins Bergwerk ein, ins Bergwerk ein.

Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut sein,
die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht
die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht
aus Felsgestein, aus Felsgestein.

Der eine gräbt das Silber, der Andere gräbt das Gold,
doch dem schwarzbraunen Mägdelein, bei der Nacht,
doch dem schwarzbraunen Mägdelein, bei der Nacht,
dem sein wir hold, dem sein wir hold.

Adé, nun adé! Lieb Schätzelein!
Und da drunten in dem tiefen finstern Schacht, bei der Nacht,
Und da drunten in dem tiefen finstern Schacht, bei der Nacht,
da denk ich dein, da denk ich dein.

Und kehr ich heim, zum Schätzelein,
dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht,
dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht,
Glück auf, Glück auf! Glück auf, Glück auf!

Die Bergmanns Leut sein’s kreuzbrave Leut,
denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht,
denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht,
und saufen Schnaps, und saufen Schnaps.

Auf den Bergbau! Glück auf!

 

 

 

 

 

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