Antwerpen: Diamanten und mehr

Auf der Heimfahrt von der belgischen Küste haben wir in Antwerpen einen Zwischenstopp gemacht. Ehrlich gesagt hatte ich bis auf ihren Namen zuvor nicht viel von dieser Stadt gehört – außer vielleicht, dass es hier viele Diamantengeschäfte gibt. Nach einem mehrstündigen Spaziergang weiß ich: Antwerpen bietet mehr. Hier sind ein paar Eindrücke aus Belgiens Nr. 2, die es im Ranking der WDR-Sendung “wunderschön” sogar in die TOP 5 der schönsten europäischen Städte geschafft hat.

Antwerpen Starbucks

Antwerpen liegt nördlich von Brüssel nahe der niederländischen Grenze und ist vom Ruhrgebiet aus in etwa zwei Autostunden zu erreichen. Die Universitätsstadt an der Schelde mit dem zweitgrößten Seehafen Europas hat über eine halbe Million Einwohner und ist als weltweit wichtigstes Zentrum für die Verarbeitung und den Handel von Diamanten bekannt.

Im 15. und 16. Jahrhundert war Antwerpen eine der größten Städte der Welt und zeitweise sogar die wichtigste Handelsmetropole in Europa. 1920 fanden hier die Olympischen Sommerspiele statt. 1993 war Antwerpen Europäische Kulturhauptstadt.

Es gibt sogar eine Verbindung zu meiner Heimatstadt: Der Duisburger Hafen hat für den Antwerpener Hafen eine große Bedeutung, deshalb sind beide über eine eigene Güterfernbahn miteinander verbunden. Wieder was gelernt! 🙂

Antwerpen Bahnhof

Wir haben unseren Rundgang am Bahnhof begonnen. Was für ein Bauwerk! Die Antwerpener Bahnhofshalle ist wirklich eine der schönsten, die ich kenne. Allein dafür würde sich schon die Anreise mit dem Zug lohnen.

Das imposante Empfangsgebäude im eklektizistischem Stil mit einer 75 Meter hohen Kuppel erinnert an den Pantheon in Rom. Im Volksmund heißt das Bauwerk zurecht “Spoorwegkathedraal” (Eisenbahnkathedrale). Laut Newsweek hat Antwerpen den viertschönsten Bahnhof der Welt (Quelle: www.visitantwerpen.be).

Antwerpen Diamanten

Gleich am Bahnhof beginnt das berühmte Diamantenviertel mit etlichen Juweliergeschäften. Es ist zugleich das jüdische Viertel. An der Pelikaanstraat, die in südliche Richtung parallel zu den Gleisen verläuft, befinden sich allein drei von vier Diamantbörsen. Hier werden Diamanten im Wert mehrerer Milliarden Euro umgesetzt. Das Viertel ist deshalb durch Überwachungskameras und ausfahrbare Straßenbarrieren bestens gesichert.

Antwerpen gilt als wichtigster Diamantenhandelsplatz der Welt mit etwa 1.600 Diamantenfirmen und einem Diamantenmuseum. Rund 60 Prozent aller Rohdiamanten werden in der zweitgrößten belgischen Stadt gehandelt.

“Cut in Antwerp” ist übrigens für Diamanten, was “Swiss made” für Uhren ist: ein international renommiertes Qualitätslabel für den Schliff des edelsten aller Edelsteine. Ich bin übrigens ohne ein funkelndes Erinnerungsstück nach Hause gefahren. Vielleicht beim nächsten Mal – ein Miniminijuwel ist immerhin schon für nur 15 Euro zu haben… 😉

Antwerpen Grote Markt

Wir gingen weiter in Richtung Altstadt: Antwerpens “gute Stube” und eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ist der Grote Markt mit dem Rathaus. Der Reiseführer nennt das mit Säulen, Figuren und Wappen geschmückte Gebäude ein “Prachtexemplar Brabanter Renaissance”. Eines der häufigsten Antwerpener Postkartenmotive ist der Brabobrunnen, der Centurio Silvius Brabo zeigt, wie er olympiareif zum Wurf der abgeschlagenen Hand des Riesen Antigonus ausholt.

Laut Wikipedia gehört Antwerpen zu den wenigen zentraleuropäischen Großstädten mit weitgehend erhaltenem historischen Stadtkern. Es gibt viele noch vorhandene Bau- und Kunstdenkmale aus der Blütezeit der Stadt (Spätmittelalter, Renaissance, Barock) sowie aus der Zeit von Jugendstil und Art déco.

Wir hatten zwar Glück mit dem Wetter, dafür störte aber ein hässlicher Baukran die Idylle dieses schönen Platzes. Ich hätte das Ungetüm wegretuschieren können, aber – hey! – so war es eben.

Antwerpen Grote Markt

Nicht nur das: An unserem Besuchswochenende liefen auch schon die Vorbereitungen für ein größeres Sportereignis. Der schöne mittelalterliche Grote Markt mit den hübschen Geschäften und Restaurants war deshalb eine große Bühne.

Antwerpen Museum MAS

Wir haben uns deshalb gar nicht lange hier aufgehalten und sind weiter Richtung Norden gelaufen. Nach etwa einer Viertelstunde erreicht man das markante MAS, das Museum aan de Stroom. Allein das 60 Meter hohe Gebäude im Hafen ist sehenswert. Auf mehreren Ebenen sind die Geschichte der Stadt und ihres Hafens, die Welt unterschiedlicher Völker zu sehen.

Antwerpen Museum MAS

Für einen Museumsbesuch hatten wir an diesem Samstag nicht genug Zeit – und so richtig Lust auf viel Kultur auch nicht … Was wir aber trotzdem gemacht haben und was unbedingt empfehlenswert ist: Wir sind mit den vielen Rolltreppen nach oben auf die Panoramaterrasse gefahren. Hier hat man eine tolle 360-Grad-Rundumsicht, und das auch noch unentgeltlich!

Antwerpen

Antwerpen

In das schützende Panzerglas sind an einigen fotogenen Stellen sogar Öffnungen für die Kamera eingelassen. Da hat mal jemand mitgedacht. 😉

Antwerpen

Pause gefällig? In Antwerpen kein Problem. Es gibt sehr viele einladende Cafés, Bistros und Restaurants. Natürlich stehen auf den Straßen auch Foodtrucks mit belgischen Waffeln und Frites für eine schnelle Stärkung zwischendurch.

Antwerpen Shopping

Last not least: Antwerpen ist eine beliebte Einkaufsstadt mit vielen tollen Geschäften. Die wichtigste Shoppingmeile ist die “Meir”, die man schnell erreicht, wenn man vom Bahnhof aus an den Diamantengeschäften vorbei immer geradeaus geht. Ein Highlight an der Meir ist der historische Stadsfeestzaal (städtischer Festsaal), der jetzt ein prunkvolles Einkauftzentrum im Herzen der Shoppingmeile ist.

Antwerpen Streetart

Mein Fazit zu Antwerpen:

Gut, dass wir hier einen Halt gemacht haben! Die Innenstadt ist nicht zu groß und lässt sich im Groben auch an einem Tag erkunden. Eine Mischung, die alle Interessen berücksichtigt, ist möglich: Shopping, Sightseeing, Schlemmen.

Für alle, die in Kürze hinfahren möchten: In der Innenstadt, unmittelbar vor dem Bahnhof, ist derzeit eine riesige Baustelle. Unser Navi hat uns hier einige Male im Kreis herumgeführt. Der Zufall wollte es, dass wir trotzdem einen guten Parkplatz in einem zentral gelegen Parkhaus gefunden haben. Das war gegen 10.00 Uhr. Nur zwei Stunden später waren fast alle Parkhäuser voll, und das trotz der üppigen Gebühren. Deshalb mein Tipp: Entweder sehr früh oder mit der Bahn anreisen.

 

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