Niederrhein: Unterwegs mit dem Bulli

Eine willkommene Abwechslung vom Alltag. Eine tolle Idee für Urlaub zu Hause. Eine Zeitreise. Ein Entschleunigungstrip. Ein Miniabenteuer für die ganze Familie. Ein kurzweiliger Tagesausflug. Ein Retro-Erlebnis. Ein paar Stunden zum Herunterkommen. – Das alles war unsere mehrstündige Bulli-Tour am Niederrhein. Möglich gemacht hat sie Andrea vom Touren- und Eventveranstalter feelgoody in Moers. Hier ist mein Erlebnisbericht:

feelgoody bietet aktuell vier VW-Bullis in unterschiedlichen Farben und Modellen an. Wir entschieden uns für „Sunny“. Ein T2 in Sonnengelb, genau wie das Wetter an unserem Ausflugstag im Juli 2020. Baujahr 1972, genau wie ich. Passte!

Andrea erklärte mir die Besonderheiten des Vehikels und ließ mich auf dem Hof und auf der großen Wiese hinter dem Haus üben. Das war gut so!

Denn der Bulli fährt sich deutlich anders als ein Auto der heutigen Generation. Die Sitze sind nicht verstellbar, das Lenkrad ist deutlich größer. Die Handbremse befindet sich nicht zwischen Fahrer- und Beifahrersitz, sondern unterhalb des Fensters. Die Schaltung ist längst nicht so leichtgängig, wie ich es gewohnt bin. Es dauerte deshalb eine Weile, bis ich zuverlässig den Rückwärtsgang fand …

Doch dann konnte es losgehen. „Wohin wollt ihr denn fahren?“, fragte Andrea. „Zum Schloss Moyland, nach Xanten und dann noch an den Rhein“, antwortete ich. „Das sind schöne Ziele“, stimmte Andrea zu. „Ihr müsst immer nur geradeaus fahren. Aber lasst euch auch einfach treiben, biegt mal ab und fahrt auch abseits der Hauptstraßen“, riet sie uns. Ein guter Tipp, wie sich bald herausstellte.

Schon als ich vom feelgoody-Hof auf die Bundesstraße abbog, merkte ich, dass Sunny uns das Tempo vorgab und nicht umgekehrt. Der gemütliche Bulli hat 66 PS und lässt sich nicht hetzen. Ich brauchte außerdem eine Weile, bis ich mich an das entschleunigende Fahrgefühl gewöhnt hatte. Ein wunderbarer Zufall war es also, dass wir zunächst eine Weile im Schneckentempo hinter einer Landmaschine herfahren mussten. So war wenigstens nicht ich der Grund für die lange Schlange, die ich im Rückspiegel sah.

Irgendwann war der Mähdrescher abgebogen und wir etwas später auch. Abseits der Bundesstraße fuhren wir mit dem Bulli die wunderschönen Alleen am Niederrhein entlang und durchquerten hübsche Dörfer.

Was auffiel: Wo immer wir vorbei fuhren, entlockte Sunny den Menschen ein Lächeln. Radfahrer und Fußgänger winkten uns zu, entgegenkommende Oldtimerfahrer grüßten.

Am Rande eines Dorfes, an einem geschützten Ort neben einem Feld fanden wir einen schönen Platz für eine kurze Pause. Auch für Erinnerungsfotos. Dazu lädt der Bus mit den niedlichen Kulleraugen wirklich ein.

Auf der Rückbank machten wir es uns für eine Weile gemütlich. Für eine längere Pause oder für einen Aufenthalt auf dem Campingplatz ist Sunny ist außerdem mit Campingtisch und -stühlen ausgestattet.

Unsere Ziele – Schloss Moyland und den Rhein – hatten wir zu diesem Zeitpunkt bereits aus den Augen verloren. Der Weg war das Ziel.

Eher zufällig kamen wir an der Xantener Südsee vorbei, einem Freizeitzentrum in der Nähe von der Innenstadt und dem Archäologischen Park.

Hier kann man locker einen ganzen Tag verbringen: Zum Angebot gehören u.a. ein Naturbad, Wasserski, Tretboot, Stand Up Paddling. Gastronomie gibt es auch. Mit etwas mehr Zeit kommen wir bestimmt noch einmal wieder.

Weil der Ausblick so schön war und der Magen etwas knurrte, machten wir hier am See eine längere Pause und kehrten im Plaza del Mar ein.

Ohne Schloss Moyland, ohne einen Rheinblick, aber immerhin mit ein bisschen Xanten endete unsere Tour.

Zum Abschluss machten wir noch ein paar Erinnerungsfotos mit der Polaroid-Kamera, die Andrea uns in den Bulli gelegt hatte. „Wenn schon Retro, dann auch richtig“, meinte sie. Recht hat sie! Für uns waren die Stunden mit Bulli ein echtes Miniabenteuer.

Ich hatte noch nie zuvor in einem solchen Fahrzeug gesessen, geschweige denn es gesteuert. Das hat richtig Spaß gemacht und war wirklich ein Erlebnis.

Der Technik- und Auto-affine Mann hat sich noch während der Fahrt in fahrzeugrelevante Daten vertieft und über Luftkühlung, Trommelbremsen, Drehstabfederung und anderes referiert.

Das Teenie-Mädchen hat gestaunt, wie unkomfortabel Autofahren in der Zeit unserer Kindheit war: nix Servolenkung, Automatik, Klimaanlage, Zentralverriegelung, Navigationsgerät, Airbags, Bluetooth, … „Und damit sind die Leute früher in den Urlaub nach Italien gefahren?“, fragte sie ungläubig. Keine Geschichtsstunde und kein YouTube-Video hätten ihr dieses Gefühl authentischer vermitteln können. Gleichzeitig war sie bezaubert vom Design, den liebevollen Details, dem vielen Platz und der gemütlichen Rückbank. Auch in ihrem (digitalen) Fotoalbum landeten Erinnerungsbilder.

Falls du jetzt auch Lust bekommen hast:

  • Eine Bulli-Tour ist wirklich ein besonderes Erlebnis für Jung und Alt.
  • Aus meiner Sicht (nach der Tour) ist die Route nebensächlich. Wir sind oft die ganze Woche ver- und durchgeplant. Da war es wohltuend, sich einfach mal treiben zu lassen. Es geht ja schließlich auch ums Genießen und Entschleunigen.
  • Für eine Pause ist es sinnvoll, sich ein paar Getränke und Snacks mitzunehmen.
  • In den Bulli passen maximal fünf Personen. Sicherheitsgurte gibt es nur für den Fahrer- und den Beifahrersitz.
  • Wer eher kurzgewachsen ist, dürfte beim Steuern des Fahrzeugs Schwierigkeiten haben. Ich messe 1,68 Meter und musste mich zum Erreichen von Pedalen und Schaltknüppel schon lang machen.
  • Der Niederrhein mit seinen wunderschönen Alleen und den hübschen, kleinen Orten eignet sich meiner Meinung nach für einen Tagesausflug besonders gut. Vielleicht geben dir meine Beiträge über die Bislicher Insel, Kempen und/oder Kevelaer ein paar Anregungen für Zwischenstopps.
  • Je nach Mietdauer und Wochentag kostet das Ausleihen eines Bullis zwischen 89 Euro (zweistündige Cruise Tour) bis zu 700 Euro für eine ganze Woche.
  • Eine Tour mit dem Bulli ist auch eine schöne Geschenkidee.

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Offenlegung: Ich durfte mir den Bulli vom feelgoody unentgeltlich für einen Tag ausleihen. Vielen Dank dafür! Einfluss auf meine Meinung hat dies jedoch nicht.

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