Die Entdeckung der Einfachheit

Urlaub! Viel unterwegs sein, die Region und ihre Sehenswürdigkeiten erkunden, Besichtigungen machen. So kann es sein. Muss es aber nicht. Während einiger Ferientage an der belgischen Küste habe ich vor allem eines entdeckt: die Einfachheit. Hier erzähle ich von meiner Erkenntnis, dass ein Urlaub auch (oder gerade dann) richtig schön sein kann, wenn er eigentlich total unspektakulär ist.

Ich muss gestehen, dass ich Belgien gar nicht so richtig aufm Urlaubsschirm hatte. Mit Belgien verbinde ich irgendwie nix. Höchstens Pralinen, aber die esse ich so gut wie gar nicht. Doch als ich im letzten Jahr mit meiner Kollegin über unseren ersten richtigen Urlaub in Holland plauderte (über den ich …hier berichtet habe), sagte sie: „Holland ist ja ganz schön, aber Belgien ist besser. Und man kann da so viel unternehmen!“ Stimmt: eine Tramfahrt entlang der Küste zum Beispiel, ein Besuch in Brügge oder Dünkirchen. Alles hatte ich auf der imaginären To-do-Liste. Nichts davon haben wir gemacht.

Belgien Middelkerke

Das lag auch daran, dass wir in dem eher ruhigen Örtchen Middelkerke-Westende ein richtig schönes Feriendomizil hatten: ein Appartement im sechsten Stock an der Promenade mit fantastischem Meerblick. Traumhaft! Die Architektur an der belgischen Küste ist mit den vielen Wohnklötzen direkt am Strand ist wirklich nicht schön – das finden im Übrigen auch viele Belgier. Der Vorteil der nicht so schönen Kulisse ist dafür aber eben, dass es zahlreiche bezahlbare Unterkünfte in der ersten Reihe gibt. Und bei einer solchen Aussicht kann man echt schon mal träge werden.

Belgien Strand Regenschirm

Jedenfalls habe ich vor Ort gemerkt, wie schön es ist, einfach mal so gut wie nichts zu machen und vor sich hin zu leben. Sich am Wetter und an der Tagesform zu orientieren. Es regnet? Dann bleiben wir eben drinnen. Keine Lust auf Unternehmungen? Dann machen wir eben „nur“ einen Spaziergang am meist menschenleeren Strand. Wunderbar.

Belgien Muschel

Belgien Middelkerke Strandhäuser

Das war übrigens mein tägliches Ritual: Jeden Morgen, als die beiden Langschläfer noch schlummerten, bin ich zu einem Frühspaziergang am Meer aufgebrochen. Kaum aus der Tür stand ich ja schon in den Muscheln. Hast du schon einmal dichten Nebel am Strand erlebt? Ich jedenfalls nicht. An einem der Tage zog innerhalb von wenigen Minuten so dichter Nebel auf, dass ich keine 30 Meter weit sehen konnte. Das war richtig gespenstisch, aber auch irgendwie cool! An dieses Erlebnis werde ich bestimmt länger zurückdenken als an so manche Stadtbesichtigung.

Belgien Frühstück

Auf dem Rückweg habe ich immer frisches Baguette gekauft. So sehr ich üppige, abwechslungsreiche Frühstücksbüffets schätze: Dieses köstliche, noch warme Stangenbrot mit bester Butter, ein wenig Marmelade und einem simplen Filterkaffee (nix Latte Wasweißich!) waren jeden Morgen aufs Neue eine Wonne und absolut ausreichend. Dazu der Meerblick – c’est bon!

Belgien Middelkerke Westende

Belgien Middelkerke Westende

Apropos Meerblick: Oft genug habe ich einfach aufm Sofa gesessen und den sich verändernden Himmel beobachtet. Ein echtes Naturschauspiel. Insgesamt hatten wir richtig Glück mit dem Wetter. Während in Duisburg scheinbar Dauerregen war, gab es an der belgischen Küste von allem etwas: strahlenden Sonnenschein, Nebel (siehe oben), Schauer, Schäfchenwolken, Nieselregen, bedeckten Himmel.

Belgien Veurne

Tatsächlich haben wir vor Ort kaum etwas unternommen. Selbst das nahe und sehenswerte Brügge haben wir ausgelassen. Uns in den Touristenrummel stürzen, darauf hatten wir einfach keine Lust. Stattdessen waren wir kurz in Veurne, das noch ein bisschen näher und auch sehr hübsch ist. In einer Stunde hat man hier aber auch schon alles gesehen. Dafür gibt es rund um den schönen Marktplatz etliche Cafés und Brasserien, die zur Einkehr einladen. Wir ließen es uns in der Brasserie Christophe schmecken und fühlten uns hier schon ein bisschen wie in Frankreich. Très bien!

Belgien Nieuwpoort No Stress

Letztendlich geht es doch im Urlaub auch darum, es abseits der Alltagshektik ein bisschen nett zu haben, oder? Wenn ich eine Städtereise mache, dann meist mit der Absicht, viel von der Stadt zu sehen und sie zu erlaufen. Das ist normalerweise nicht besonders erholsam, finde ich. Mit einem entsprechenden Programm hätten unsere Tage an der belgischen Küste das auch werden können. Doch unser Motto war schließlich wie der Name eines Seglers im Hafen von Nieuwpoort: No Stress.

Belgien Middelkerke Sonnenuntergang

So gesehen war es ein ziemlich unspektakulärer Urlaub. Wir haben vergleichsweise wenig erlebt, und doch habe ich eine besondere Entdeckung gemacht: Einfachheit tut echt gut!

 

 

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