Dubai: Am Creek, wo alles begann

In Dubai liegen Alt und Jung, Tradition und Moderne eng beieinander. Ein Blick vom Creek auf die (oft im Wüstensand verschwindende) Skyline zeigt den Kontrast besonders deutlich. Der Creek ist ein natürlicher Meeresarm des Arabischen Golfes, der die Stadt in die Stadtteile Bur Dubai und Deira teilt. Hier beginnt die Geschichte von Dubai: vom Fischerdorf zur Wüstenmetropole. Ein Besuch am Creek sollte zu jedem längeren Dubai-Aufenthalt dazugehören.

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Entlang des Meeresarmes entstanden die ersten Gebäude: Anfangs waren es vorwiegend Hütten von Fischern und Perlentauchern. Doch mit der Ansiedlung von Händlern und Seeleuten stieg die Bedeutung des Dubai Creek als Hafen kontinuierlich. In den 1970er Jahren wurde er vertieft und ausgebaut, so dass er auch für größere Schiffe nutzbar war. Trotzdem liegen am Ufer noch immer viele Dhaus, die in der Region typischen Segelschiffe, wie sie auch auf dem Luftbild zu sehen sind (2011 haben wir einen Rundflug mit Seawings gemacht). Sie bringen vor allem Gewürze aus dem Iran.

Die Bedeutung des Creek hat im Laufe der Jahre nachgelassen. Der internationale Schiffsverkehr wird heute fast ausschließlich in den beiden Überseehäfen abgewickelt. Trotzdem ist es an den Ufern des Creek noch immer quirlig und geschäftig. Wer mehrere Tage in Dubai ist, sollte sich diesen traditionellen Teil der Stadt auf jeden Fall ansehen.

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Wir haben unsere Tour im Stadtteil Bur Dubai gestartet. Hier gibt es eine schöne Promenade, vor der aus man einen guten Blick auf die moderne Architektur am gegenüber liegenden Ufer hat. Besonders markant sind die 100 Meter hohen „Twin Towers“, die wegen ihrer Beschriftung auch als Rolex Tower bekannt sind. Sie wurden 1998 gebaut und gehörten damals zu den modernsten Gebäuden in Dubai.

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Ebenfalls in Bur Dubai liegt das Dubai Museum im Al Fahidi Fort aus dem Jahr 1787, dem ältesten Gebäude der Stadt. Ihre Geschichte und die der Fischer und Nomaden, von denen heute wohl einige Ölmillionäre sind, wird hier sehr anschaulich erklärt.

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Durch die engen Gassen von Bastakiya ging es weiter. Bastakiya ist ein historischer, unter Denkmalschutz stehender Stadtteil mit engen Gassen und Windtürmen. Es ist eine der ältesten Wohngegenden Dubais. Der Bau der Bastakiya geht zurück in die 1890er Jahre. Traditionell war die Bastakiya eine Hochburg wohlhabender Bewohner. Durch die Entdeckung von Öl im Emirat Dubai wandelte sich die demographische Struktur jedoch: Viele reiche Familien zogen in andere Stadtteile und an ihrer Stelle kamen immer mehr ausländische Familien mit mittlerem Einkommen. Die Bastakiya stand schon öfter vor dem Abriss. 2005 begann die Stadtverwaltung Dubais ein Projekt zur Restaurierung der historischen Gebäude und Gassen. Inzwischen ist hier ein Künstler- und Kulturviertel entstanden, mit vielen Galerien, Ausstellungen und Museen.

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Hinter der Bastakiya, nur wenige Schritte vom Creekufer entfernt, habe ich übrigens zum ersten und bisher einzigen Mal frisch gepressten Zuckerrohrsaft getrunken. Die bündelweise bereitstehenden Zuckerrohre werden hier vor aller Augen in eine Saftpresse geschoben. Vor dem Abfüllen in die Becher werden grobe Stücke herausgefiltert. Wer mag, bestellt den Saft mit Eiswürfeln, dann ist er kühler. Und wie hat er geschmeckt? Seeeeehr süß!

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Vom Zuckerrohrsaft-Händler aus konnten wir den Creek schon sehen. Ein unbedingtes Muss ist eine Fahrt mit einer Abra. Die traditionellen Wassertaxis fahren permanent zwischen den beiden Stadtteilen Deira und Bur Dubai hin und her. Sie sind das wichtigste Transportmittel der „normalen“ Bewohner Dubais und deswegen das wohl authentischste Verkehrsmittel der Stadt. Die Abra-Fahrt dauert nur wenige Minuten und kostet nur wenige Cent. Ohne Ticket steigt man einfach auf eines der wackeligen Holzboote, zahlt in Münzen und genießt die wunderbare Aussicht und Atmosphäre. Touristen sind hier in der Unterzahl. Auch deswegen: Unbedingt in Dubai Abra fahren!

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In Deira angekommen ist es nur ein kurzer Spaziergang bis zum Souk. Hier kaufen auch die Emiratis ihre Gewürze, Kräuter, Reis und Früchte – natürlich nicht, ohne zu handeln.

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Der Grand Souk geht fast nahtlos in den Gold Souk über. Über 300 Geschäfte, eines neben dem anderen, bieten hier Schmuckstücke in fast allen Ausführungen. Nichts ist mit einem Preis gekennzeichnet: Alles wird gewogen, und dann liegt es am Verhandlungsgeschick des Käufers, ob es ein Schnäppchen wird oder ob sich der Verkäufer freuen kann. Vieles ist für meinen Geschmack kitschig. Letztendlich bin ich aber auch mit einem (schlichten) Paar Ohrringe wieder ins Hotel gefahren.

Links im Bild ist übrigens der größte Ring der Welt: 64 Kilogramm schwer, drei Millionen Dollar wert. Natürlich lässt sich Dubai auch in diesem Bereich den Superlativ nicht nehmen.

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Sehr stimmungsvoll ist der Dubai Creek am Abend. Alles ist dann erleuchtet, und die Dhaus fahren keine Gewürze von A nach B, sondern Büffet-schlemmende Touristen den Creek auf und ab. Dhau-Cruises sind sehr beliebt und werden in jedem Hotel angeboten. Wir haben allerdings noch nie eine gemacht und dabei wird es wohl auch bleiben – zu touristisch für uns. Wir ziehen lieber auf eigene Faust los und erkunden die Gegend in unserem Tempo.

Unser Reisefräulein, wirklich nicht auf den Kopf gefallen, fragte im letzten Jahr übrigens beim Spaziergang durch die engen Gassen des alten Dubai, in welcher Stadt wir denn jetzt wären. In der Tat kann man hier viel mehr das Gefühl haben, in Indien zu sein – und das, obwohl die moderne Skyline nur wenige Kilometer entfernt ist. So ist der Fahrt zum Creek auch ein bisschen eine Reise in eine andere Welt. Unbedingt zu empfehlen!

 

 

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