Duisburg: Halde mit Bedeutung

Der Besuch auf dem „Alsumer Berg“ war für mich nicht nur eine weitere Station meiner Haldentour durch den Ruhrpott, sondern auch eine biografische Zeitreise. Mit diesem Ort verbinde ich einen wichtigen und prägenden Lebensabschnitt. Umso erstaunlicher ist es, dass ich zuvor noch nie hergekommen bin, oder? Hier erzähle ich, was das Besondere dieser Halde ist und welche Erinnerungen sie in mir wachgerufen hat.

Duisburg Alsumer Berg   Duisburg Alsumer Berg

Zunächst die Fakten: Der Alsumer Berg ist eine ehemalige Schutthalde in Duisburg-Beeck, die unmittelbar am Rhein liegt und etwa 50 Meter hoch ist. Sie ist heute ein Landschaftsschutzgebiet.

Früher befand sich hier das Schiffer- und Fischerdörfchen Alsum, das im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Ab 1954 siedelten die verbliebenen Bewohner um.

An der Alsumer Straße, die sich quasi durch das thyssenkrupp-Steel-Werksgelände zieht, gibt es ein Schild, das auf den Alsumer Berg hinweist. Ansonsten ist die Ausschilderung echt verbesserungswürdig. Ich war mir jedenfalls nicht sicher, ob ich auf dem richtigen Weg war und fragte deshalb einen mir entgegenkommenden Mopedfahrer. Nach einem kurzen Anstieg hatte ich den „Gipfel“ erreicht.

Duisburg Alsumer Berg   Duisburg Alsumer Berg

Auf dem Alsumer Berg gibt es insgesamt vier Aussichtspunkte, die leider auch nicht ausgeschildert sind. Man muss ein bisschen suchen bzw. umherlaufen. Von einem der Aussichtspunkte blickt man auf den südlichen Teil des Hüttenwerks, einem der größten Europas. Schräg gegenüber können Haldenbesucher einen Blick auf den nördlichen Teil der riesigen Industrieanlage, auf den Rhein und das nahegelegene Kraftwerk in Duisburg-Walsum werfen.

Der Ausblick ist wahrlich nicht „schön“ im klassischen Sinne. Man muss schon Interesse an Industrieanlagen haben, um den Reiz dieses Ortes zu verstehen. Bei Industriefotografen ist der Alsumer Berg jedenfalls sehr beliebt.

Duisburg Alsumer Berg   Duisburg Alsumer Berg

Das Gedenkkreuz am Aussichtspunkt mit dem Blick auf den nördlichen Teil des thyssenkrupp-Steel-Werksgeländes erinnert an die ehemalige Siedlung und den nicht mehr existierenden Ort Alsum. Gut zu sehen sind von hier aus die Kokerei sowie die beiden Großhochöfen Schwelgern I und II. Warum ich mich mit diesen Anlagen so gut auskenne? Weil ich hier meine Ausbildung gemacht habe. Womit wir beim biografischen Teil des Beitrags wären.

Fast fünf Jahre war dieses Areal so etwas wie mein zweites Zuhause. In unterschiedlichen Bereichen war ich an vielen Stellen auf dem Werksgelände unterwegs. Ich habe gelernt, wie u.a. aus Koks, Eisenerz, Schrott und einer ziemlich komplizierten Technik Stahl gemacht wird, ein High-Tech-Material, ohne das unser modernes Leben nicht funktionieren würde.

Als Werkstudentin war ich in ein ziemlich enges und anspruchsvolles Korsett gepresst, das ich häufig auch verflucht habe. Die Zeit war echt kein Zuckerschlecken, aber eine verdammt gute Schule.

Nach dem Abschluss der Ausbildungs- und Studienzeit, der genau in eine der regelmäßigen Stahlkrisen fiel, ging für mich der Weg an anderer Stelle weiter. Bestimmt sollte das so sein. Im Gepäck hatte ich eine sehr gute, komplett bezahlte Ausbildung und ein erstes finanzielles Polster (Zeit zum Geldausgeben hatte ich derweil schließlich nicht). Davon profitiere ich noch heute.

Duisburg Alsumer Berg   Duisburg Alsumer Berg

Vor diesem Hintergrund war es mir trotz der winterlichen Kälte an diesem herrlich sonnigen Februartag auch ein bisschen warm ums Herz, als hier so manche Erinnerungen wieder wach wurden.

Hochöfen, rauchende Schlote und graue Industrieanlagen finde ich wahrscheinlich auch deshalb nicht hässlich, weil sie dazu beigetragen haben, dass ich ein vergleichsweise gutes Leben führen kann. Dafür bin ich dankbar.

Duisburg Alsumer Berg   Duisburg Alsumer Berg

Was ich noch gar nicht wusste: Hier am Rhein im ehemaligen Alsum, komplett eingequetscht zwischen der Schwerindustrie, ist auch ein richtig schönes Stück Natur. Das Panorama bietet den totalen Kontrast: links die graue Industriekulisse, rechts der grüne Niederrhein. Ein sehenswerter Ort!

 

Hier sind meine Berichte von den anderen Halden im Ruhrgebiet, die ich bisher besucht habe:

Geleucht, Moers
Haniel, Bottrop/Oberhausen
Hohewart, Herten
Norddeutschland, Neukirchen-Vluyn
Rheinelbe, Gelsenkirchen
Tetraeder, Bottrop
Tiger & Turtle, Duisburg

2 Kommentare


  1. // Antworten

    Die Halde ist anders als die anderen Halden, alleine schon deshalb, weil sie keine Bergbauhalde ist, aber das Drumherum ist ein schönes Stückchen Duisburg, schöner als man vermutet, wenn man an der Kokerei parkt. Wenn man viel Zeit hat und die Wiese unten nicht vom Rhein überspült ist, kann man auch noch ganz weit entlang des Rheins laufen.

    P.S.: Dieses Mal war, wie ich sehe, der nörliche Löschturm in Betrieb, manchmal ist auch der südliche (also der näherliegende) im Einsatz, was den Kokereibetrieb alle 10 Minuten noch näher bringt.

    LG Michael


    1. // Antworten

      Ich sehe schon, du bist ein richtiger Haldenexperte!
      Freut mich, dass es dir dort auch gut gefallen hat.
      LG Anja

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