Duisburg: Fotos vom “Melting Pott”

Das Museum Küppersmühle zeigte bis Oktober 2019 Ruhrgebietsfotografien von Till Brönner. Für seine Ausstellung “Melting Pott” war der international bekannte Jazz-Trompeter viele Monate mit der Kamera im Revier unterwegs. Bei einer #instapreview zwei Tage vor dem offiziellen Ausstellungsbeginn haben sich Blogger und Instagrammer die Bilder angesehen und den Künstler getroffen. Ich konnte dabei sein.

Till Brönner war schon da, als ich das Museum betrat. Find’ ich gut, das macht ihn sympathisch und nahbar. Oft genug schauen die sogenannten VIP nur kurz vorbei oder lassen sich entschuldigen. Doch bevor wir mit ihm ins Gespräch kamen, führte uns die Kuratorin durch die Ausstellung mit 185 aus dem “Melting Pott”.

Ich sah vieles, was ich selbst auch schon fotografiert habe: Industrie, Fördertürme, Haldenskulpturen, Trinkhallen, die A40. Till Brönner war im “Melting Pott” offenbar auf meinen Spuren unterwegs. 😉

Ein Großteil der Bilder zeigt Menschen. Menschen aus dem Ruhrgebiet oder mit einer Beziehung dazu. Unbekannte Menschen wie Kumpel, Stahlkocher, Fußballfans, Schrebergärtner, Taubenzüchter, Kinder.

Auch Prominente folgten seiner Einladung, sich für “Melting Pott” fotografieren zu lassen: beispielsweise Mario Götze, Atze Schröder, Ralf Möller, Sönke Wortmann und Frank Goosen.

In der Ausstellung sind prägnante Fotos zu sehen, die auch handwerklich gut gemacht sind, wie die technikversierteren Teilnehmer anerkennend bestätigten. Jedoch: Aus meiner Sicht ist der Pott hier erneut sehr klischeehaft abgebildet. Mit rauchenden Schloten, vergammelten Häusern, dreckigen Straßenkreuzungen und “Pommes Schranke”.

Wo sind die Sushi-Bars und Beachclubs, die Hochschulen und Forschungsinstitute, die schmucken Siedlungen und hippen Cafés, die üppig grünen Parks? Auch sie gehören für mich zum Ruhrgebiet. Bestimmt hat Till Brönner sie gesehen und fotografiert. Nur haben sie es offenbar nicht an die Museumswände geschafft.

Beim Meet & Greet mit Till Brönner, fragte ich ihn, welcher der vielen Orte im “Melting Pott” ihm besonders in Erinnerung geblieben sei und warum. “Einer der Orte ist der, vor dem Sie stehen”, war seine Antwort.

Er meinte das fast raumhohe Bild der Kokerei auf dem Werksgelände von thyssenkrupp Steel in Duisburg. Ihn habe unter anderem beeindruckt, dass hier täglich Menschen unter sehr gefährlichen Bedingungen arbeiten und nach 30 Jahren schon gar nicht mehr darüber nachdenken.

Auch die Halde Rheinelbe sei für ihn ein besonderer Ort: “Von da oben ist der Ausblick auf die anderen Halden und das Ruhrgebiet großartig.”

Wir hatten viele Fragen, die Till Brönner ehrlich, geduldig und humorvoll beantwortete. Er fühle sich im Ruhrgebiet sehr wohl, was vor allem an den Menschen läge. Der Pott habe mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung verdient. Möge seine Ausstellung, deren Titel ein Wortspiel ist (melting pot, engl.: Schmelztiegel), einen Beitrag dazu leisten!

Mein Fazit: “Melting Pott” im Museum Küppersmühle war eine gute, unterhaltsame Reise durch das Ruhrgebiet. Für das Kunsthaus war die Ausstellung ein großer Erfolg.

Nach oder vor dem Rundgang durch das tolle Museumsgebäude bietet sich ein Spaziergang durch den Innenhafen an – es ist einer meiner Lieblingsorte in meiner Heimatstadt.

Hier ist dann auch sichtbar, was die Ausstellung meiner Meinung nach zu wenig abbildet: was Strukturwandel im Ruhrgebiet bedeutet und was aus Orten werden kann, die noch vor wenigen Jahrzehnten eine ganz andere Bestimmung hatten.

Ich danke dem MKM Duisburg, Till Brönner und den anderen Gästen für einen tollen Abend! Es ist sehr schön, bei solchen Gelegenheiten andere Blogger und Instagrammer auch einmal persönlich zu treffen. 

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