Duisburg: Die unbekannte Halde

Neulich sah ich in der Zeitung ein Bild von der Rockelsberghalde mit dem Hinweis, hier gebe es „eine der spektakulärsten Perspektiven, die ganz Duisburg zu bieten hat“. Rockelsberghalde? In Duisburg? Davon hatte ich zuvor noch nicht gehört. Ich musste sogar erst nachsehen, wo sie sich befindet, bevor wir uns auf den Weg nach Hochemmerich machten.

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Dort angekommen erwartete uns mal wieder: kein Hinweisschild. Also fragte ich eine Gruppe von Hundebesitzern, die gerade in Reichweite waren und sich erfahrungsgemäß immer gut auskennen. Hier ist der Dialog:

„Guten Tag! Wie kommen wir denn zur Halde?“

Spontane Ratlosigkeit. Doch eine Hundebesitzerin konnte helfen: „Gleich hier lang. Halten Sie sich rechts, am Modellflugplatz vorbei. Ist aber nur eine kleine Halde.“

„Macht doch nichts, vielen Dank!“ Wir gingen los und hörten im Rücken:

„Moment ma, ey, ich bin doch hier inne Gegend aufgewachsen. Wat soll da sein?“

„Eine Halde.“

„Wat issn dat?“

Willkommen im Ruhrgebiet und schön zu wissen, dass offenbar nicht nur ich die Rockelsberghalde nicht kannte! 😉

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Wir hielten uns an die Beschreibung (wirklich nicht ein einziges Schild unterwegs), gingen am Rheindeich entlang und bogen am Modellflugplatz (den ich auch nicht kannte) auf die Steigung ab. Man muss sein Ziel schon kennen, sonst läuft man hier wirklich vorbei.

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Die Rockelsberghalde ist eine 70 Meter hohe ehemalige Schlackendeponie der früheren Krupp-Hütte in Rheinhausen. Nach deren Schließung wurde sie landschaftlich aufbereitet und 2009 fertiggestellt. Jetzt ist sie dicht bewachsen.

Im Ruhrgebiets-Halden-Vergleich ist das Hügelchen eher unspektakulär. Keine Skulptur, keine Bank, kein Abfalleimer. Eigentlich nur ein befestigtes Plateau, aber mit einem wirklich fantastischen Rundumblick.

Man steht ein bisschen wir auf „Duisburgs Balkon“. Wir hatten gute Sicht und konnten bis zum „Geleucht“ in Moers bzw. bis zum Chempark Krefeld-Uerdingen schauen. Dazwischen: die weißen Riesen in Homberg, das Kraftwerk in Walsum, das thyssenkrupp-Stahlwerk im Norden, die Halde Haniel, der Gasometer in Oberhausen, Duisburgs Innenhafen und das HKM-Stahlwerk im Süden.

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In der Zeitungsbildunterschrift hieß es: „Praktisch auf einer Höhe mit der Halde liegen der Außenhafen sowie die Innenstadt-Skyline. Im Vordergrund fließt der Rhein. Auch auf den mächtigen Strom und seine saftig grünen Auen hat jeder Besucher von dort oben eine prächtige Sicht. Viel Spaß beim Gucken!“

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Das klingt vielleicht ein bisschen sehr blumig und idyllisch, aber uns hat der kurze Ausflug nach Hochemmerich gefallen. Auf dem Rückweg haben wir noch eine Weile den Künsten des Modellfliegers zugesehen und die Füße im nahe gelegenen Rheinpark Duisburg in den Sand an Duisburgs höchstem Strand gesteckt. War fast wie Urlaub. Zuhause.

Hier sind meine Berichte von den anderen Halden im Ruhrgebiet, die ich bisher besucht habe:

Alsumer Berg, Duisburg
Geleucht, Moers
Haniel, Bottrop/Oberhausen
Hohewart, Herten
Norddeutschland, Neukirchen-Vluyn
Rheinelbe, Gelsenkirchen
Rungenberg, Gelsenkirchen
Tetraeder, Bottrop
Tiger & Turtle, Duisburg

 

 

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