Duisburg: Ein Hauch von Seidenstraße

Duisburg und China verbindet einiges – nicht nur der Güterzug “Yuxinou”, der vom Reich der Mitte mehrmals wöchentlich über 10.000 Kilometer zum größten Binnenhafen Europas fährt. Da ist noch der Chinesische Garten im Zoo Duisburg und das Institut für Ostasienwissenschaften an der Uni Duisburg. Immer häufiger begegnen mir in der Stadt Chinesen, die Anzahl von China-Restaurants scheint stetig zu steigen. Deswegen war es sicher kein Zufall, dass kürzlich auch der Kunstzug “Blue Container” Halt in Duisburg machte.

Duisburg Hafen Container

Stolze 36 Jahre alt ist die Städtepartnerschaft zwischen Duisburg und Wuhan. Es ist die allererste Partnerschaft zwischen einer chinesischen und einer deutschen Stadt überhaupt. Seitdem ist viel passiert. 1988 schenkte Wuhan dem Zoo Duisburg einen Chinesischen Garten. Seit 1994 kann man an der Duisburger Uni Ostasisenwissenschaften studieren. Der Güterzug “Yuxinou” fährt seit 2011 Container über die “neue Seidenstraße”. Chinesische Unternehmen siedeln sich in Duisburg an.

Was Düsseldorf für Japan ist, scheint Duisburg für China zu sein.

Duisburg Chinafest

Deshalb findet hier auch jedes Jahr das Chinafest statt, eines der größten in Nordrhein-Westfalen. Das chinesische Neujahrs- bzw. Frühlingsfest ist der wichtigste chinesische Feiertag und leitet nach dem chinesischen Kalender das neue Jahr ein. Der Beginn des Neujahrsfestes fällt auf einen Neumond zwischen Ende Januar und Ende Februar.

Neben einem festlichen Abendprogramm zeigen die Chinesen hier Kunst und Kalligrafie und erklären ihre traditionellen Teezeremonien. Es geht um einen interkulturellen Austausch, ein verbessertes Verständnis füreinander. Viele chinesische Studenten und Geschäftsleute leben inzwischen mit ihren Familien in Duisburg. Das Fest soll dazu beitragen, mehr vom anderen zu erfahren, sich gegenseitig zu verstehen und sich freundschaftlich zu begegnen.

Duisburg Blue Container

Mich hat China schon immer fasziniert – weil es eine so gänzlich fremde Welt ist. Die Menschen sehen anders aus als wir, sie essen andere Sachen und die auch noch mit Stäbchen. Sie sprechen eine schwer zu erlernende Sprache mit mir völlig unbekannten Schriftzeichen. Ihre Mentalität unterscheidet sich in vielen Punkten deutlich von der in Deutschland. Ein bisschen weiß ich das von chinesischen Eltern, die ich in der Kindergarten- und Schulzeit kennengelernt habe.

Wahrscheinlich war es das Fremde, was mich im Jahr 2000 relativ spontan in das Reich der Mitte gelockt hat. …hier habe ich vor einiger Zeit über “Meine Flucht nach China” geschrieben.

Duisburg Blue Container

Aber zurück zu den Blauen Containern, die ja eigentlich der Anlass für diesen Beitrag sind. Anfang Juni 2018 war im Rheinpark Duisburg eine “Ausstellung der Superlative” zu Gast. In mehreren Großzelten wurde Kultur aus China und anderen Ländern entlang der neuen Seidenstraße gezeigt. Transportiert wurde alles in blauen Containern.

Duisburg Blue Container

Die Seidenstraße – so nennt man die Verbindung zwischen dem Mittelmeerraum und Ostasien – bezeichnet heutzutage auch die 10.000 Kilometer lange Bahnstrecke, die in Chongqing (China) beginnt, durch Usbekistan und Kasachstan verläuft und in Duisburg endet.

Duisburg Blue Container

Im Mittelpunkt des “Blue-Container”-Projektes steht die Kunst: zeitgenössische Kunst, Kunst der Moderne, Druckgrafiken, Tuschezeichnungen sowie Repliken von Wandgemälden aus den Grotten von Duhuang, einem Weltkulturerbe in West-China.

Duisburg Blue Container

Duisburg Blue Container

In der Ausstellung waren übrigens auch viele Chinesen zu Gast – hier in Duisburg leben ja, wie gesagt, viele.

Frog King Blue Container Duisburg

Ein ganz besonderer Gast war aus Hong Kong gekommen, um seine Kunst zu präsentieren: Kwok Mang Ho, auch bekannt als Frog King. Der exzentrische Künstler gilt als Pionier der zeitgenössischen Kunst in der Sonderverwaltungszone.

Seit Ende der 60er Jahre hat er weltweit mehr als 3.000 Werke, Skulpturen, Gemälde und Installationen erschaffen und mehrere Auszeichnung erhalten.

Frog King

Die Froschthematik taucht in seinen Kunstwerken immer wieder auf: beispielsweise die Glubschaugenform in der Kalligrafie und sein Froggy Glasses Project. “Since then, frog and Kwok’s art simply becomes coexists and becomes the symbol of Kwok Mang Ho”, heißt es dazu auf seiner Website.

Asia Restaurant

Schade, dass die Ausstellung “Blue Container” nur wenige Tage in Duisburg zu sehen war. Ich hatte den Eindruck, dass das Interesse ziemlich groß war. Die Gruppe, die an unserem Besuchstag an der Führung teilnehmen wollte, war jedenfalls schon grenzwertig groß und die chinesische Studentin bereits heiser von den vorherigen Rundgängen.

Vielleicht ergibt es sich, dass irgendwann eine ähnliche Aktion über die neue Seidenstraße wieder nach Duisburg kommt. Mich würde es freuen. Derweil können wir in einem der vielen chinesischen Restaurants den Appetit auf das Reich der Mitte stillen.

 

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