Enttäuschungen auf Reisen

Bis heute bin ich von keiner Reise enttäuscht zurückgekehrt. Das mag daran liegen, dass ich Glück hatte und alles in Ordnung war. Das liegt aber sicher auch daran, dass ich das Reiseziel immer sorgfältig auswähle und in etwa weiß, was vor Ort auf mich zukommt. Wenn ich Action will, darf ich nicht auf eine einsame Insel reisen; suche ich menschenleere Strände, fahre ich in der Hauptsaison nicht nach Mallorca. Bei nicht erfüllten Erwartungen ist Unzufriedenheit schließlich vorprogrammiert. Trotzdem haben wir auf unseren Reisen Orte gesehen bzw. Sachen erlebt, von denen wir im Nachhinein sagen: „Das war nix.“ Die Gründe dafür sind unterschiedlich, und zum Glück war deshalb nie der ganze Urlaub ein Flop. Hier kommt eine kleine Auswahl:

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Kopenhagen: Unscheinbares Wahrzeichen

Sie ist das Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt, aber suchen muss man sie fast mit der Lupe: die kleine Meerjungfrau. Völlig unscheinbar sitzt sie da auf ihrem Stein, und das auch noch an einem wenig attraktiven Plätzchen am Eingang zur Hafeneinfahrt. Man kommt kaum an sie heran und sieht sie fast gar nicht, weil sie von Touristen umlagert ist. Regelmäßig kommen Ausflugsboote vorbei mit Fahrgästen an Bord, die vom Wasser aus einen Blick auf die nur 1,25 Meter kleine Bronzefigur werfen wollen. Natürlich möchte sich gern jeder mit der nachdenklichen Nixe ablichten lassen – die Touristen stehen dafür regelrecht Schlange. Ganz schön viel Wirbel um diese sogenannte Touristenattraktion.

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San Francisco: Links und rechts nicht halb so schön

Dieses Motiv kennt jeder, oder?! Die hübschen viktorianischen Häuser am Alamo Square gehören zu den meist fotografierten Gebäuden in San Francisco. Natürlich wollten auch wir die „Postcard Row“ in Natura sehen. Mit dem Bus fuhren wir in eine Gegend, die wir als nicht besonders einladend in Erinnerung haben und in der wir mit einem mulmigen Gefühl unterwegs waren. Und  besonders hübsch war es hier auch nicht. Links und rechts von diesen sechs „Painted Ladies“ sieht es nämlich längst nicht so schön aus. Und so bonbonfarben wie auf den Postkarten waren sie in echt auch nicht. Wir waren deshalb gleich wieder weg. Andere Ecken von SanFran sind bedeutend schöner!

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Ägypten: Viel zu aufdringlich

Ägypten ist ein wirklich tolles Reiseziel mit einer interessanten Kultur und besten Bademöglichkeiten. Strand und Sightseeing lassen sich hier hervorragend kombinieren. So haben wir es auch gemacht, als wir 2001 in Hurghada waren und an drei Tagen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Kairo und Luxor besichtigt haben. Was uns allerdings gravierend gestört hat, das ist die extreme Aufdringlichkeit der Händler. Sie grenzt schon an Dreistigkeit, finde ich. Egal wo wir waren: Immer stand jemand neben uns und wollte uns etwas verkaufen. Wir kannten das aus der Türkei, wo es ähnlich ist. In Ägypten ist es aber wesentlich penetranter. Wir haben niemandem in die Augen gesehen und zuletzt nicht mal mehr die Waren angeschaut – trotzdem wurden wir auf deutsch angequatscht und zum Kauf gedrängt. Als wir beim Bummel durch Hurghada sogar angegrapscht wurden, hatten wir die Nase voll: Auf kürzestem Weg sind wir ins nächste Taxi gestiegen, haben und zum Hotel bringen lassen und dieses bis zur Abreise nicht mehr verlassen. In Ägypten wird man uns so bald nicht wieder sehen. Schade eigentlich.

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Taos Pueblo: Nicht willkommen

Von Santa Fe in New Mexico sind wir extra gut 60 Meilen über Land gefahren, um uns die vermutlich älteste, durchgängig bewohnte Siedlung in den USA anzusehen. Das Dorf besteht aus zwei Pueblos und liegt im Norden der Taos-Indianerreservation. In den beiden Hauptgebäuden wohnen rund 150 Ureinwohner des ebenfalls Taos genannten Volkes in weitgehend traditioneller Lebensweise. 1992 erklärte die UNESCO das Taos Pueblo zum Weltkulturerbe. Vor Ort mussten wir ein ziemlich hohes Eintrittsgeld zahlen und erlebten leider nur Gleichgültigkeit und Desinteresse. Wir durften uns umsehen, hatten aber überall den Eindruck, eigentlich unerwünscht und nicht willkommen zu sein. Entsprechend schnell waren wir auch wieder auf dem Rückweg. Es hat einfach keinen Spaß gemacht. Diesen umständlichen Ausflug hätten wir uns besser gespart.

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Nordsee: Kein Traumstrand

Ich mag die ostfriesische Nordseeküste. Sehr sogar! Wir waren mehrere Male dort und werden garantiert wiederkommen. Warum das so ist, darüber werde ich hier auf dem Blog auf jeden Fall noch schreiben. Aber eines muss ich zugeben: Der Strand ist potthässlich. Wenn man das überhaupt Strand nennen kann. Denn nicht Sand grenzt ans Meer, sondern Pflastersteine (als Schutz gegen die Sturmfluten). Und das Meer ist ja auch nicht immer da. Wenn Ebbe ist, dann ist da Matsch … äh … Watt. Das sieht wirklich nicht schön aus. Wer einen richtigen Strand möchte, der bekommt ihn auf den Inseln, zum Beispiel auf Langeoog. Aber Ostfriesland ist so schön und bietet so viel Sehenswertes, dass wir über den hässlichen Strand hinwegsehen können. Wir kommen nicht her, um Strandurlaub zu machen, sondern um die gute Nordseeluft zu genießen. Und das können wir auch am gepflasterten Ufer mit Blick auf das Watt.

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Bestimmt werden wir auch in Zukunft an Orte kommen oder Reiseerlebnisse haben, die nicht positiv in Erinnerung bleiben. Ich finde das nicht schlimm, solange es Ausnahmen sind. „No risk, no fun!“ Immer nur auf Nummer Sicher gehen ist auch langweilig, oder?!

Wenn ich weitere „Flops“ erlebe, werde ich hier darüber berichten.

 

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