Essen: Und plötzlich ist da Kunst

Diesen Beitrag beginne ich mit einem Geständnis: Mir war nicht bewusst, wie viel Kunst im öffentlichen Raum es gibt – meistens bin ich ganz unachtsam daran vorbei gelaufen! Ich gehe allerdings ein bisschen davon aus, dass ich damit gar nicht so allein bin (Kunstverständige und -liebhaber sind natürlich ausdrücklich ausgenommen). Die Teilnahme an der Kunst(rad)tour, an der ich im Juni mit anderen Ruhrpottbloggern und Instagrammern teilnehmen durfte, hat mich jedenfalls zweierlei gelehrt: Erstens, dass Kunst im Alltag viel präsenter ist als ich dachte und zweitens, dass es sich an vielen Stellen lohnt, genauer hinzusehen.

Zeche Zollverein Essen Kunst

Unser Hinsehen an diesem Sonntagvormittag begann schon neben dem Fahrradverleih der Zeche Zollverein, wo wir uns trafen. Mitten auf der „Kunstwiese“: Ein Werk, an dem ich ohne entsprechende Hinweise der beiden Kunstvermittler Andreas Benedict und Thomas Buchardt sicher vorbeigeradelt wäre.  Stattdessen stiegen wir ab (oder gar nicht erst auf) und ließen uns die zweiteilige Standskulptur und die Blockskulptur des Bildhauers Ansgar Nierhoff erklären.

Zeche Zollverein Essen Kunst

Nur wenige Meter weiter, auf der Wiese vor dem sehenswerten Ruhrmuseum, betrachteten wir die 16 Tonnen schwere Skulptur „Konstellation D4“ von Alf Lechner. Das Objekt aus Schmiedestahl ist quer zur rechtwinkligen Anordnung der Zechengebäude platziert und bricht so den streng geometrischen Grundriss der Anlage.

Zeche Zollverein Essen Kunst

Auch Architektur ist Kunst. Das beweist „die schönste Zeche des Ruhrgebiets“ in mehrfacher Hinsicht. Ihre Symmetrie und ihre Backsteingebäude im Bauhaus-Stil machen sie zur „Kathedrale der Industriekultur“.

Schurenbachhalde Essen

Wir verließen das UNESCO-Weltkulturerbe und fuhren zur Schurenbachhalde. Auch die markante Bramme auf dem Haldenplateau ist Kunst im öffentlichen Raum. Der Schurenbachhalde habe ich …hier einen eigenen Beitrag gewidmet.

Gelsenkirchen Herkules Nordsternpark

Über dem Nordsternpark in Gelsenkirchen thront unübersehbar in 100 Metern Höhe die Landmarke „Herkules“ von Markus Lüpertz. Mit einer Mischung aus Zu- und Abneigung nennen die Gelsenkirchener die 18 Meter hohe und über 20 Tonnen schwere Riesenfigur auf dem Förderturm der früheren Zeche Nordstern „Horst“.

Gelsenkirchen Nordsternpark Brücke

Über das Wahrzeichen des Nordsternparks, die markante Doppelbogenbrücke über den Rhein-Herne-Kanal, ging es an der Emscher entlang wieder zurück Richtung Essen.

Carbon Obelisk

Paris und Luxor haben einen, das Ruhrgebiet auch: einen Obelisken. Der 14 Meter hohe „Carbon-Obelisk“ von Rita McBride fügt sich scheinbar harmonisch in mehrere Strommasten am Emscherradweg ein. Ein Hingucker ist er vor allem wegen seines besonderen Materials.

Zeche Zollverein Kunst

Bevor sich nach dieser schönen Kunsttour unsere (Rad-)Wege  wieder trennten, kamen wir – zurück auf Zeche Zollverein – noch an diesem Werk vorbei. Geständnis Nummer zwei in diesem Beitrag: Hier brauche ich schon wirklich viel Fantasie, um diese „Klötze auf Schotter“ als Kunst zu erkennen.

Ihr korrekter Name ist „Österreichischer Granit, gespalten“ von Ulrich Rückriem. In Sichtweite des markanten Förderturms von Zollverein befinden sie sich auf einem Areal, das zunächst als Bauschuttdeponie vorgesehen war. Das Ensemble aus vier Steinwinkeln ist wie ein Karree positioniert und begehbar. Kunstvermittler Thomas Buchardt: „Wie ein Bollwerk besetzt die monumentale Skulptur den Ort, als wolle sie ihn gegen die erneute Nutzung als Deponie verteidigen.“

Ein gewaltiger Abschluss einer interessanten, kurzweiligen und gleichzeitig lustigen Kunstradtour. Vielen Dank an die Organisatoren für die tolle Vorbereitung und Durchführung sowie an alle Mitfahrer für die nette Gesellschaft!

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Ob „Kunst für alle“ oder Public Art: Kunst im öffentlichen Raum ist in Parks, auf Straßen oder Plätzen zu erfahren – wenn man ihnen denn ein Auge schenkt. Zwei weitere Gelegenheiten für eine #kunstgebietruhrtour gibt es am 5. August (Bochum) und am 2. September (Duisburg). Ich will versuchen, wieder dabei zu sein!

Weitere Informationen: www.kunstgebiet.ruhr

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Hinweis:
Zu der #instaradtour war ich eingeladen. Meine Meinung ist davon unbeeinflusst. Ein Honorar habe ich nicht erhalten.

 

2 Kommentare


  1. // Antworten

    Eine richtig schöne Ansammlung an Kustwerken, die es wert sind, besucht und besichtigt zu werden. Die Idee einer solchen Kunst(rad)tour ist ja toll. Wird so etwas weiterhin irgendwo angeboten? Ich wäre sofort mit dabei.
    Beste Grüße – und Danke für diesen anregenden Heimatkundebeitrag 🙂
    Lo


    1. // Antworten

      Hallo Lo,
      freut mich, dass dir der Beitrag gefällt! 🙂
      In diesem Jahr gibt es noch zwei weitere Touren (in Bochum und Duisburg). Schau mal bei kunstgebiet.ruhr
      Vielleicht sehen wir uns dann ja bald aufm Radel.
      Viele Grüße
      Anja

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