Hamburg: Als die Sturmflut kam

Es sollte so schön werden: zwei befreundete Ruhrgebietsfamilien auf Städtetour in Hamburg. Nun gut, die Herbstferien waren in diesem Jahr sehr spät, und Ende Oktober ist sicher nicht die beste Reisezeit für Hamburg. Aber musste denn ausgerechnet an unserem Urlaubswochenende Sturm „Herwart“ durch Norddeutschland rasen? Um das Happyend vorwegzunehmen: Es wurde so schön, wie wir es uns gewünscht hatten. Eigentlich war es sogar noch besser! Hier erzähle ich, wie wir die Sturmflut in Hamburg erlebt haben.

IMG_6905

Nachdem es am Samstagabend schon recht kräftig geregnet und gewindet hatte, ließen wir den Abend in der Hotelbar ausklingen. Ich hatte eine ruhige Nacht und bekam von dem Sturm, der da draußen wohl tobte, gar nichts mit. Als ich morgens wach wurde, schaute ich auf mein Smartphone und sah die Nachrichten: akute Sturmwarnung, umgestürzte Bäume, lahmgelegter Zugverkehr, wer nicht raus muss, solle besser drin bleiben. Na, super!

Hamburg

Wir trafen uns erst einmal zu einem gemütlichen Frühstück. Auf meinem letzten Teller: ein für Hamburg typisches Franzbrötchen. Draußen: gelegentlich ein Martinshorn, dazu Sonne und strahlend blauer Himmel. So beschlossen wir, es einfach zu wagen und rauszugehen. Wir liefen zunächst in die Innenstadt, weil uns dort die vielen Galerien bei Bedarf ausreichend Schutz hätten bieten können. Das war aber gar nicht nötig, denn Hamburg zeigte sich am Tag nach „Herwart“ von seiner schönsten Seite.

Hafen Hamburg

So liefen wir weiter zum Hafen. Am Vorabend hatten wir uns gedanklich schon von der geplanten Hafenrundfahrt verabschiedet. Bei dem traumhaften Panorama freundeten wir uns mit der Idee wieder an und bestiegen am späten Mittag eine der vielen Barkassen.

Hamburg Fischmarkt

Unser Kapitän erzählte, dass der Fischmarkt an diesem Sonntagmorgen überflutet war und deshalb nicht öffnen konnte. Schade für jene, die sich das wilde Treiben hier gern angesehen hätten. Uns betraf die Schließung nicht. Wir waren vielmehr erstaunt, wie schnell das Wasser nach der Sturmflut offenbar auch wieder abgezogen war.

Hafen Hamburg

Der Bootsführer erklärte außerdem, dass einige der im Hafen liegenden Schiffe von den Schleppern an die Kaimauern gedrückt werden mussten, um die Taue zu entlasten, die in dieser Sturmnacht aufs Äußerste beansprucht worden waren.

Hamburg Speicherstadt

Auch durch die Speicherstadt konnte der Kapitän seine Barkasse wieder steuern. Hier war der Pegel in den frühen Morgenstunden mit plus drei Metern so hoch gewesen, dass keines der Boote unter den vielen Brücken hindurch fahren konnte. Am Ufer sahen wir an einigen Stellen noch die Feuerwehr, die einige der vollgelaufenen Speicher leer pumpte.

IMG_6853

Ja, am Tag nach „Herwart“ wehte zwischendurch noch immer ein kräftiger Wind. Die Temperaturen waren wie wohl jedes Jahr Ende Oktober – mit Mütze war es muckeliger. Aber es war schön sonnig, und wir fühlten uns zu keiner Zeit in Gefahr. In Hamburg war nirgendwo Aufregung spürbar – die Hansestadt war erfreulich entspannt und offenbar sehr routiniert. Anscheinend hatten wir richtig viel Glück!

Hamburg Hauptbahnhof

Als wir am Abend am Bahnhof vorbei kamen, war die Schlange am DB-Infoschalter ziemlich lang. Auf einem der Gleise war ein Hotelzug eingerichtet worden. Der Fernverkehr rund um Hamburg war zum Erliegen gekommen – nichts ging mehr. In diesem Moment wurde es mir ein bisschen mulmig, weil auch wir mit der Bahn angereist waren und ohne eine Nacht im Gleishotel wieder nach Hause kommen wollten. Glücklicherweise hatte sich bis zu unserem Abreisetag alles wieder normalisiert und wir kamen wie geplant in Duisburg an.

Hamburg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *