Instagram: Wie lange noch?

Meine diesjährige Urlaubslektüre ist vielseitig: der obligatorische Reiseführer, ein Roman und ein aktuelles Top-Sachbuch. Darin geht es um Soziale Medien und was sie mit uns machen. Der Autor appelliert letztendlich sogar, doch bitte alle Accounts zu löschen. In manchen Punkten gebe ich ihm recht. Ich bin jetzt seit etwa zwei Jahren (nur) bei Instagram und beobachte bereits Veränderungen. Manches langweilt mich, manches verwundert mich, manches ärgert mich.

Shrimps Cocktail

Instagram / Thema: Essen

Ich esse wirklich gern und lasse mich durch Fotos auch gelegentlich inspirieren. Am liebsten ist mir Essen aber im Magen und nicht von allen Seiten und aus verschiedenen Perspektiven fotografiert. Anfangs habe ich das auch gemacht. Jetzt nicht mehr. Es ist mir lieber, die Speisen – noch warm! – zu genießen.

Vor etwa 20 Jahren habe ich gelernt, dass Foodfotografie oft gar nicht die echten Lebensmittel abbildet, sondern schöner anzusehende gebaute Modelle, die sich besser fotografieren lassen. Seitdem bin ich sehr skeptisch bei vielen Foodfotos.

Misstrauisch werde ich auch, wenn Tabletts mit üppigen Frühstücken mitten in einem leeren Pool schwimmen. Oder wenn grell rote Cocktails an der Kante des Infinitypools stehen. Schön fürs Bild, für mein Empfinden aber total gestellt.

CreativQuartier Dorsten

Instagram / Thema: Outfit

Es kommt mir so vor, als würden immer häufiger sogar die Outfits den Locations angepasst: Die Sonnenhüte passen zur Kulisse und transportieren manchmal sogar auch Botschaften.

Das könnte man von diesem Bild der #lovewall im CreativQuartier der Zeche Fürst Leopold in Dorsten auch meinen. Tatsächlich war es aber ein (schöner) Zufall. Wir sind nämlich auf dem Weg zu einer Sommer-Geburtstags-Feier kurz vorbeigefahren, um es uns einmal anzusehen. Zum ersten Mal. Ich konnte es wirklich nicht ahnen, dass es hier eine #lovewall gibt und die Herzen fast die gleichen Farben haben wie mein Sommerkleid.

Einhorn

Instagram / Thema: Posing

Es sind teilweise schon echt komische und extrem unnatürliche Posen, die wir da so auf Instagram sehen, oder?! Nun ja, am Strand von Ajman habe ich mich tatsächlich auch mit dem “It-Piece” 2017, einem aufblasbaren Einhorn, ablichten lassen. Es war total unbequem und mir auch ein bisschen peinlich. Kommt nicht wieder vor. 😉

Katze

Instagram / “Tiere, Kinder und Sex gehen immer”

Eine frühere Kollegin hat mal auf den Punkt gebracht, wie sich medial eine große Aufmerksamkeit erzielen lässt: “Tiere, Kinder und Sex gehen immer.” Das gilt auch für Instagram.

Tiere sind süß, und gelegentlich poste ich auch mal ein Foto von unseren Katzen. Das ist aber eher selten, weil die beiden nämlich ziemlich kamerascheu sind und ich das auch akzeptiere. Außerdem haben sie nicht die Möglichkeit, sich dagegen zu wehren.

Kleine Kinder übrigens auch nicht. Ich finde es echt grenzwertig, was manche Eltern da so über ihren Nachwuchs posten. Und dann rechtfertigen sie sich manchmal sogar noch damit, sie würde ja “nichts Privates” preisgeben. Aha.

Vielen Kindern wird es in einigen Jahren wahrscheinlich ziemlich peinlich sein, was ihre Instaparents über sie erzählt haben, wie sie sie angezogen haben und dass sie sich gelegentlich, wenn auch lieb gemeint, über sie lustig gemacht haben. Ich weiß das, weil ich selbst unter Beobachtung stehe und mir regelmäßig entsprechende Kritik anhören muss. – Deshalb ein Auftrag an mich selbst: Dem Thema Kinder und Social Media werde ich demnächst einen eigenen Beitrag widmen.

Zeche Fürst Leopold

Instagram / Erste Gegenbewegung?

Gelegentlich lande ich auf Accounts, die sich über diese ganze Instagrammerei und Influencerei lustig machen. Sie stellen zum Beispiel die künstlichsten Posen nach oder schreiben sarkastische Posts. Was ich mich frage: Naht das Ende von Instagram? Ist das eine Gegenbewegung? Oder versuchen sie, eine neue Nische für sich zu entdecken und auf diese Weise Follower zu gewinnen?

Jaron Lanier

Macht Instagram unglücklich?

Jaron Lanier findet: ja. Der “Tech-Guru” stellt in einem seiner neuesten Bücher, das gerade auf diversen Bestseller-Listen ziemlich weit oben steht, ziemlich drastische Thesen auf, unter anderem:

  • Ein großer Teil der Online-Welt sei fake: Fake-Leser, Fake-Reviewer, Fake-Empfehlungen.
  • “Social Media macht dich unglücklich.”
  • “Möglicherweise verbringst du weniger Zeit mit deiner Familie als damit, dein harmonisches Familienleben in den sozialen Netzwerken zu präsentieren.”
  • “Die Optimierung ist zum Zweck deines Lebens geworden.”

Letztendlich kommt der Autor zu folgender Schlussfolgerung: “Wenn du (…) authentischer (…) und weniger manipuliert werden willst – dann musst du deine Social-Media-Accounts löschen.”

Jaron Lanier gibt zu, dass es merkwürdig sei, wenn ausgerechnet er, ein Mitglied der Silicon-Valley-Gemeinde, dazu auffordere. Tatsächlich scheint der Amerikaner mit den Dreadlocks aber seine eigenen Accounts gelöscht zu haben. Er gibt sogar Tipps, wie ein Leben ohne Social Media funktionieren kann. Diesen Passus seines Buches finde ich befremdlich, weil es für mich um Selbstverständlichkeiten geht. Für die Generation Z mag es vielleicht wirklich hilfreich sein.

Ich habe das Buch an vielen Stellen nur überflogen, weil es mir teilweise zu sehr ins Detail ging und mich Laniers Geschimpfe auch ein bisschen genervt hat. Einige seiner Gedanken finde ich aber durchaus nachvollziehbar. Dass sich tatsächlich die Mehrheit aus den sozialen Medien zurückzieht, wage ich zu bezweifeln. Trotz der zunehmenden Künstlichkeit und der für mich total lästigen Dauerwerbemarkierung werden wir wohl auch noch fröhlich eine Weile weiter instagrammen.

#lovewall

Was ich an Instagram mag

Mir macht Instagram noch immer Spaß, weil ich Fotos mag und ich mich hier mit einem Teil meiner Bilder austoben kann. Außerdem habe ich durch Insta nette Leute, interessante Orte und spannende Geschichten kennengelernt.

Ich mag es, wenn es nicht perfekt ist. Ich mag Zufälle, Pleiten, Pech und Pannen. Ich mag Leute, die auch über sich selbst lachen können, sich nicht für den Nabel der Welt halten und das Anderssein der Anderen akzeptieren (oder ihnen einfach nicht mehr folgen). Wenn ich das auch zukünftig bei Instagram finde, muss ich meinen Account auch nicht sofort löschen, Mister Lanier!

Urlaubslektüre

Hinweis: Das Buch “Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst” von Jaron Lanier hat mir der Verlag als unentgeltliches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Einfluss auf meine Meinung hat dies jedoch nicht. Einige Inhalte des Buches sind in diesen Beitrag eingeflossen. Ich bewerbe das Buch jedoch ausdrücklich nicht.

Die anderen abgebildeten Verlagserzeugnisse habe ich selbst gekauft.

 

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