Kinder und das Web

Es ist schon spannend, die eigene Teenie-Zeit (meine war in den verrückten 80er Jahren) mit der der so genannten Generation Z zu vergleichen. Wir lebten damals – sehr gut – ohne Internet und Smartphone. Nicht alles war besser, soviel steht fest. Unser Leben war analoger und privater. Heute sind selbst die Kleinsten scheinbar dauer-online. Ihre Digitalpräsenz beginnt oft schon mit dem ersten Ultraschallbild. Wollen wir, wollen sie das?

Flugzeug

Mein “Smombie” (liebevoll für: Smartphone-Zombie) ist einer der Auslöser gewesen, warum es diesen Blog gibt und ich Instagram nutze. Vor mehr als zwei Jahren hatte ich den Irrglauben, dass ich digital überall da sein sollte, wo auch mein Kind ist. Heute denke ich: Erstens ist das nahezu unmöglich, zweitens grenzt das ja schon fast an Stalking.

Die Generation unserer Kinder nutzt Soziale Medien, das Web, Apps etc. mit einer Selbstverständlichkeit und in einer Lerngeschwindigkeit, die ich bewunderswert und manchmal auch erschreckend zugleich finde. Wir telefonierten, sie whatsappen. Wir trafen uns zum Rollschuhlaufen oder zu Brettspielen, sie skypen oder machen Onlinespiele. Wir schlugen im Lexikon nach, sie googlen. Wir schauten Fernsehen, sie youtuben. Wir diskutierten, sie schaffen Fakten mit Powerpointpräsentationen. Wenn wir versehentlich in die Sprachnachricht quatschen, gibt es Ärger. Gleiches passiert, wenn das Foto für die nächste Story nicht ihren kritischen Anforderungen genügt.

Pool

In gewisser Weise hilft es da wohl nur, das zu akzeptieren und mit dem Strom zu schwimmen. Aber: Eltern haben auch die Pflicht, ihre Kinder auf ihre Rechte und Pflichten im Web hinzuweisen, ihnen Chancen und Gefahren aufzuzeigen. Idealerweise halten sie sich selbst daran.

Gerade deswegen bin ich verwundert, wie häufig Eltern zum Beispiel auf Instagram das Persönlichkeitsrecht ihrer Kinder vernachlässigen. Ich bezweifle, dass die Mädchen und Jungen immer damit einverstanden sind, dass alle Welt ihre Namen kennt, ihre Gesichter und Vorlieben, ihre Entwicklung mitverfolgt und über ihre Tagesform informiert ist. Haben sie nicht auch ein Recht auf Privatsphäre?

Ja, natürlich: Babys und kleine Kinder sind niedlich. Wir sind stolz auf sie und wollen unsere Freude mit der ganzen Welt teilen. Wenn sie fein gemacht sind oder uns mit ihrem ersten Zähnchen anlächeln, finden wir das süß. Und süß bringt Likes. Viele Mamas teilen heute ihre Sorgen und Nöte, ihre Erfahrungen und Tipps nicht mehr im Dialog, sondern regelmäßig via facebook, Instagram & Co.

Doch die Frage, die ich mir stelle: Was denkt ihr Kind, wenn es in einigen Jahren die Fotogalerie durchsieht und ihm manches davon peinlich oder vielleicht sogar extrem unangenehm ist? – Wie habt ihr mich damals angezogen? Wieso hatte ich so eine komische Frisur? Wie konntet ihr nur? – Wie lautet dann die Antwort?

Pool

Meine Erfahrung zeigt: Kinder wollen gefragt und respektiert werden. Das ist auch ihr Recht. Deshalb habe ich wenigstens vor der Veröffentlichung der Fotos das Einverständnis eingeholt und es nach eingehender Begutachtung auch wirklich nur für diese (!) bekommen. Für viele andere gab es von Anfang an oder auch nachträglich ein Veto.

Was ich von mir selbst preisgebe – bildlich und/oder inhaltlich – liegt natürlich bei mir. Für den Nachwuchs ist das oft genug peinlich, aber das ist wohl normal.

Kinder sind kritisch – mit sich selbst und erst recht mit den Eltern. Sie kennen sich sehr gut aus, teilweise sogar besser als Mama und Papa zusammen. Wie viel wir schon von unserem Smombie gelernt haben und noch lernen werden – danke dafür!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *