Kreuzfahrten: Massen auf dem Meer

Ich bin scheinbar umgeben von Kreuzfahrt-Fans. Viele Arbeitskollegen und Bekannte sprechen regelmäßig von Reedereien und Routen, Terminen und Touren. Die meisten von ihnen planen schon an Bord die nächste Reise. Ihre ungebrochene Begeisterung kann ich nicht so recht teilen. Vor einigen Jahren sind wir im Sommer selbst unter die Kreuzfahrer gegangen – und seitdem nicht mehr. Ich will versuchen zu beschreiben, warum das so ist.

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Eines steht mal fest: Es war ein schöner Urlaub! Im August 2012 haben wir eine zehntägige Ostsee-Kreuzfahrt gemacht mit der Route Warnemünde – Tallin – St. Petersburg – Helsinki – Stockholm – Danzig – Kopenhagen – Warnemünde. Die See war ruhig, das Wetter wunderbar und die Stationen auch. In keiner der besuchten Städte waren wir zuvor gewesen – echtes Neuland also für uns drei.

Mit welcher Reederei wir unterwegs waren, ist eigentlich nebensächlich. Es geht ja hier nicht um eine Schiffskritik, sondern um Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff allgemein.

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In Warnemünde checkten wir als eine der ersten von über 2.000 Passagieren zügig ein. Alles verlief reibungslos. Bis wir unsere Kabine gefunden hatten, waren die Koffer längst da. Wir hatten eine Innenkabine, weil wir dachten, wir würden sowieso nur wenig Zeit hier verbringen. Auf engstem Raum ist hier alles untergebracht. Es fehlt an nichts.

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Wir erkundeten das Schiff und fühlten uns wohl: Alles war sehr gepflegt und schick. Weil wir so früh aufs Schiff kamen, hatten wir das Pooldeck anfangs ganz für uns. Das ist der Grund, warum auf diesen beiden Fotos kein Mensch zu sehen ist.

Das Ablegen im Sonnenuntergang war toll. In Warnemünde war nämlich gerade „Hanse Sail“ und wir wurden auf dem Weg auf die offene See von zahlreichen Booten und Segelschiffen begleitet.

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So weit, so gut. Unsere erste Etappe war ein Seetag. Und das – so wissen wir jetzt – ist kein Vergnügen. Denn die über 2.000 Passagiere müssen sich den Tag irgendwie vertreiben. Die meisten machen das gern essend. In den Restaurants war es also sehr voll. Die emsigen Kellner kamen kaum nach, die Essensreste abzuräumen und ein wenig für Ordnung so sorgen. Es gab sogar einen Kaffeetassennotstand.

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Auf dem Pooldeck war jede Liege besetzt. Die Becken waren voll, der Fitnessbereich auch. Der einzige wirkliche Rückzugsort: die eigene Kabine. Spätestens jetzt wurde mir klar, dass eine Balkonkabine doch schöner gewesen wäre. Dann hätten wir wenigstens halbwegs privat die gute Luft und den Blick auf die See genießen können.

Ich will es abkürzen: Es war uns auf dem Schiff zu voll. So viele Menschen auf so engem Raum, das ist einfach nicht unser Ding. Man begegnet hier zwangsläufig Leuten, die man vielleicht lieber nicht treffen will. Und man kann ihnen irgendwie nicht so richtig aus dem Weg gehen.

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Viele sagen: „Ich finde Kreuzfahrten so toll, weil man nur einmal seinen Koffer auspackt und an jedem Tag in einem anderen Hafen ist.“ Stimmt, das ist auch wirklich sehr komfortabel. Wir fühlten uns aber auch sehr fremdbestimmt: Schließlich mussten wir absolut pünktlich zu einer vorgegebenen Zeit wieder an Bord sein. Und (fast immer) mit dem Strom schwimmen. Wahrscheinlich sind wir dafür inzwischen zu sehr „Individualtouristen“, als dass uns dieses Urlaubsmodell schon bald wieder reizen würde.

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Aber irgendwann, da bin ich sicher, wird es einen zweiten Anlauf geben. Vielleicht dann auf einem kleineren Schiff oder in einer Balkonkabine.

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