Kurskorrekturen nach Corona, bitte!

Stell dir vor, die Corona-Krise ist vorbei und wir machen genau so weiter, wie wir im März 2020 gezwungenermaßen aufgehört haben. Ich kann und möchte mir das aktuell nicht vorstellen. Vielmehr wünsche ich mir, dass wir diese Zwangspause – oder ist es eine Notbremse? – für unsere ganz persönliche Kurskorrektur nutzen. Es muss ja nicht gleich eine 180-Grad-Drehung sein! Wie wäre es, wenn jeder Einzelne einen kleinen Beitrag leistet, damit sich unser Miteinander dauerhaft verbessert? Hier sind einige Beispiele:

Kurskorrektur bei der Wertschätzung systemrelevanter Bereiche

Die „systemrelevanten“ Branchen und Berufe erfahren aktuell höchste Anerkennung. „Sie halten den Laden am Laufen.“ Alle Welt dankt ihnen, fordert mehr Wertschätzung und eine bessere Bezahlung. Zurecht.

Sind wir bereit, für ihre höheren Löhne zukünftig mehr zu bezahlen? Ich hoffe schon. Denn irgendwie muss das ja gegenfinanziert werden – zum Beispiel durch Steuern, Beiträge, Gebühren, Preiserhöhungen,…

Wir alle profitieren davon, also sollten wir auch alle stärker als bisher unseren Beitrag dazu leisten. Ich bin dabei.

Kurskorrektur beim Reisen

Die Umwelt blüht in diesen Tagen scheinbar auf. Am Himmel sieht man nur sehr selten ein Flugzeug, die Kreuzfahrtschiffe liegen in den Häfen, es gibt deutlich weniger Auto- und Schiffsverkehr. Die Luft ist besser, die Gewässer sind klarer. Strände sind menschenleer und unvermüllt. Denn: #wirbleibenzuhause.

Was wird passieren, wenn die weltweite Reisewarnung wieder aufgehoben wird? Holen wir dann auf Biegen und Brechen alles nach, was uns jetzt verboten wird? Stürmen wir die Berge und Meere, die angesagten Städte und geheimen Orte? Achtung, Schachtelsatz: Jetten die Influencer wieder durch die Welt, um uns mit Bildern und Storys von Orten, die wir sowieso schon x-fach gesehen haben und die sie wahrscheinlich ohnehin nur posten, weil sie dafür bezahlt werden, den Eindruck vermitteln, dass wir da unbedingt auch hin müssen?

Allein bei der Vorstellung kriege ich ein flaues Gefühl in der Magengegend.

Aber ich will gar nicht nur auf andere zeigen. Denn, ja, auch wir verreisen viel. Wir sind häufig geflogen, haben zwei Kreuzfahrten gemacht. Ich werde mir überlegen, welche Lösungen wir für die Zukunft finden. Es wird mit Sicherheit anders, aber nicht schlechter werden.

Kurskorrektur beim Arbeiten und in der Schule

Von heute auf morgen arbeitet gefühlt die halbe Wirtschaft im Homeoffice. Die Kinder machen Homeschooling. Und? Es zeigt Schwachstellen auf, scheint aber insgesamt halbwegs zu funktionieren.

Warum setzen wir nicht genau hier an und schaffen die Voraussetzungen dafür, dass das in Zukunft keine Notlösung ist, sondern eine echte Alternative?

Schulen werden digitaler, Arbeitsplätze flexibler. In vielen Berufen müssen wir nicht jeden Tag im Büro sitzen, um gute Arbeit abzuliefern. Den Beweis dafür liefern viele von uns gerade.

Kurskorrektur beim Einkaufen

Auch wenn es manchmal etwas länger dauert: Ich finde das Einkaufen aktuell entspannter denn je.

Es wird nicht gedrängelt und geschubst, keiner rückt mir auf die Pelle. In sehr kurzer Zeit hat sich der Einzelhandel auf die Corona-Vorschriften eingestellt. Es gibt Absperrungen, Abstandsmarkierungen, Korridore. Bisher habe ich bei den Miteinkaufenden überwiegend diszipliniertes Verhalten beobachtet. Klasse!

So können wir doch bitte auch nach Corona weitermachen. Bestimmt gibt es dann auch wieder ausreichend Mehl und Toilettenpapier.

Kurskorrektur beim Konsumverhalten

Ich finde es großartig, wie viel Unterstützung die lokalen, überwiegend kleinen Geschäfte jetzt bekommen.

Wir kaufen unseren Kaffee im Coffeeshop um die Ecke, weil wir dort gerade keinen Cappuccino trinken können. Wir holen uns Speisen bei unseren Lieblingsrestaurants im Stadtteil ab und essen sie zu Hause. Wir bestellen beim kleinen Buchhändler oder kaufen Gutscheine, damit er sein Geschäft nicht schließen muss. Hoffentlich hilft’s!

(Online-)Shopping ist aktuell bei uns kein Thema. Bis jetzt vermissen wir es auch überhaupt nicht. Die Schränke sind schließlich voll genug, wir haben alles, was wir brauchen.

Wie wäre es, wenn wir auch in Zukunft bewusster konsumieren? Es liegt mit an uns, ob wir in ein paar Jahren weiter in die kleinen Restaurants um die Ecke einkehren und in einer lebendigen Innenstadt bummeln können.

Kurskorrektur beim Zusammenleben

Das Positive an Corona ist, wie wir aktuell miteinander umgehen. Was sich aus meiner Sicht durch Corona sonst noch verbessert hat, habe ich …hier beschrieben.

Mir kommt es so vor, als wären wir gerade besonders freundlich, hilfsbereit und engagiert. Wir wünschen uns, dass wir gesund bleiben, bieten dem anderen Unterstützung an, spenden und verschenken, halten uns an Regeln, …

Meinetwegen kann das gerne dauerhaft so bleiben! Wie denkst du darüber?

Die Fotos zur Illustration dieses Beitrags sind aus meinem Archiv. Ich habe sie im Spätherbst 2016 im Botanischen Garten Münster gemacht (mehr darüber …hier).

Das Starterbild ist ganz neu. Dieser Anblick ist aktuell sehr selten: ein Flugzeug am Himmel. 

 

5 Kommentare


  1. // Antworten

    Tja, das darf alles gern so kommen, wenn dafür die Unbefangenheit wieder kommt. Ich vermisse es tatsächlich, dass ich einer Kollegin am PC was erklären darf und ihr dabei näher als 2 m kommen darf, dass ich unbefangen an Menschen auf der Straße vorbeilaufen kann… mein Alltag fehlt mir, gerade das „normale“ Miteinander im Vorbeigehen, bei allem anderen kann ich dir nur zustimmen


    1. // Antworten

      Mir fehlt auch die Normalität, ganz klar. Ich hoffe nur, dass in der sich wieder einstellenden Normalität nicht das verloren geht, was uns in der Krise auch positiv ausmacht. Der Mensch ist ja so ein Gewohnheitstier, das immer wieder gern in alte Verhaltensweisen zurückfällt. Ich schließe mich ausdrücklich ein…


  2. // Antworten

    Hallo,
    die Probleme in unseren Land werden seit Jahren Ignoriert. Es wäre so leicht vieles zum positiven zu verändern. z.B. 2% mehr Mehrwertsteuer und das Geld in Bildung und Lohne für Pflege u.s.w. Leider wird immer SPD, CDU und AFD gewählt. Mit so einer Bevölkerungsmehrheit sehe ich keine bessere Zukunft. Der Link der sehr viel aussagt:
    file:///C:/Users/paulb/Pictures/Camera%20Roll/FDJ_Nbg_Corona.pdf
    Ich sehe immer mehr ,,ich,, Menschen die nicht wollen und können über den Tellerrand schauen. Eine besser Zeit nach Corona bleibt ein schöner Traum.
    Schulden, Klimawandel u.s.w. für unser Enkel, ist das eine besser Zeit nach Corona? Grüssle Paul.


    1. // Antworten

      Hallo Paul,
      wenn wir JETZT die Chance zur Veränderung und Verbesserung nicht nutzen, wann denn dann???
      Viele Grüße
      Anja


  3. // Antworten

    Hallo, wie schon oben geschrieben, es gehören Politiker und Menschen dazu.
    Bundestag anhören, es gibt Geld für Firmen ohne Konzept. Steuern in Deutschland zahlen, Umwelt u.s.w. Fehlanzeige: z.B. VW bekommt Geld vom Steuerzahler und die Aktionäre Dividenden, eine Frechheit ohne Gleichen und wen interessiert es?
    Wie schon oben geschrieben … ,,ich,, Menschen, bloß nicht über den Tellerrand schauen. Gruß Paul.

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