Mein Lieblingsplatz (3): Innenhafen

Am letzten Wochenende gab der Frühling ein erstes Gastspiel. Wie schön! Alle sind raus, die Terrassen waren zum ersten Mal in diesem Jahr voll. Auch wir haben die Gelegenheit genutzt, mal wieder ohne zu frieren unterwegs zu sein. Unser Ziel: der Innenhafen, das „Wohnzimmer der Duisburger“, und einer der Lieblingsplätze in meiner Heimatstadt.

Früher war der Innenhafen der zentrale Hafen- und Handelsplatz von Duisburg – auch „Brotkorb des Ruhrgebiets“ genannt. Seit Mitte der 1960er Jahre verlor der Hafen an Bedeutung und lag 20 Jahre lang brach, ehe am Innenhafen ein Strukturwandel einsetzte. Die Basis für dieses Musterbeispiel für den Strukturwandel im Ruhrgebiet lieferte 1994 der britische Architekt Lord Norman Foster. Mittlerweile hat sich der Innenhafen zu einem Ort entwickelt, der Arbeiten, Wohnen, Kultur und Freizeit am Wasser verbindet. 

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Aus der Innenstadt kommend begannen wir unseren Spaziergang durch den Innenhafen am Stadthistorischen Museum. Auf der gegenüberliegenden Uferseite befindet sich das Landesarchiv NRW, Deutschlands größtes Archivgebäude. Das vorhandene, denkmalgeschützte 48 Meter lange Speichergebäude aus den 1930er Jahren wird durch einen 76 Meter hohen Archivturm im Zentrum ergänzt. Ein wellenförmiger, 160 Meter langer Baukörper ergänzt die prägende Gestalt des Speichers und des Turmes, setzt sich aber selbstbewusst durch seine besondere Form ab.

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Ein paar Schritte weiter an einer kleinen Marina und der Buckelbrücke liegt das Bürogebäude „Five Boats“, fünf sechsgeschossige Baukörper in Schiffsform. Der Stardesigner Sir Nicholas Grimshaw & Partners aus London zeichnet für den Entwurf verantwortlich. 2004 war es fertig. Vorgabe war, möglichst vielen Büros eine Anbindung an das Wasser zu ermöglichen. Durch die ovale Form der fünf einzelnen Bootskörper und die Auffächerung nebeneinander haben fast alle Büros einen Ausblick auf den Innenhafen bzw. die Innenstadt von Duisburg. In das Five Boats sind u.a. der WDR (Studio Duisburg) sowie die Krankenkasse Novitas BKK eingezogen.

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Gegenüber vom Five Boats präsentiert sich die Architektur des Zentrums der jüdischen Gemeinden Mülheim, Oberhausen und Duisburg wie ein aufgeschlagenes Buch. Vor diesem Gebäude steht zur Sicherheit immer (!) ein Polizeiwagen. Das Gemeindezentrum liegt ganz in der Nähe der Junkernstraße, wo 1875 die alte Synagoge errichtet wurde. Nationalsozialisten zerstörten sie in der Pogromnacht im November 1938. Auf ihren Grundmauern errichtete man Ende der 1960er Jahre eine evangelische Kapelle, die Juden und Christen zu gemeinsamen Veranstaltungen dient.

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Direkt vor dem ungewöhnlichen Gebäude ist der „Garten der Erinnerungen“ von Dani Karavan. Der israelische Künstler wurde nicht nur mit der gesamten Grünplanung beauftragt, sondern erhielt auch die außergewöhnliche Möglichkeit, von allen hier zum Abriss freigegebenen Lagerhallen und Firmengebäuden künstlerischen Gebrauch zu machen.

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Eindeutige Zeichen dafür, dass der Frühling naht: Das Eis schmeckt auch wieder draußen, und die Schneeglöckchen blühen.

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Der hintere Teil des Innenhafens ist das Ausgehviertel Duisburgs (und vielleicht sogar auch das seiner Nachbarstädte). Die schöne autofreie Promenade entlang der Grachten mit vielen Bars und Restaurants ist ideal zum „Sehen-und-gesehen-werden“.

Morgens ist es hier eher noch verschlafen. In den Büros sind alle fleißig und gehen allenfalls in der Mittagspause kurz nach draußen. Ab dem Nachmittag wird es deutlich voller. Bei schönem Wetter ist vor allem abends und am Wochenende im Innenhafen richtig was los. Alle Bars und Restaurants haben Außenterrassen. Am Wasser sitzt es sich sehr schön – da kommt fast ein bisschen Urlaubsstimmung auf.  Bis in die Abendstunden und lange nach Sonnenuntergang kann man im Sommer draußen sitzen.

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Mein erster Open-air-Aperol in diesem Jahr (wenn auch noch mit Winterjacke): lecker!

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Alle Fotos für diesen Blogbeitrag habe ich am 11. März 2017 gemacht. Es war einer der ersten frühlingshaften Tage des Jahres. Aber die Bäume waren noch kahl und der Himmel nicht wolkenlos. Ich werde an einem richtig schönen Sommertag wiederkommen, die gleichen Aufnahmen machen und sie dann hier nebeneinander stellen. Bin selbst schon gespannt auf den direkten Vergleich!

 

Weitere meiner Lieblingsplätze findest du hier:

Mein Lieblingsplatz (1): City-Vinum
Mein Lieblingsplatz (2): Tiger & Turtle
Mein Lieblingsplatz (4): Galleria

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