London: Sechs subjektive Souvenirs

Keine Frage: London ist schön und sehenswert. Trotzdem schafft es die britische Metropole nicht in die Top 10 meiner Lieblingsstädte. Nach einem flüchtigen Besuch Anfang der 1990er Jahre hatte ich bislang nicht den Wunsch, wiederzukommen. In diesem Beitrag erzähle ich, wieso ich jetzt trotzdem in London war und mit welchen Eindrücken ich zurückgekehrt bin.

London Eye

1. London ist sehr touristisch.

Touristen tummeln sich in allen Haupt- und Großstädten und ich selbst bin eine davon – schon klar. Dass in London im oft sehr grauen und ungemütlichen Februar so viele Touristen unterwegs sein würden, hatte ich nicht erwartet. Besonders extrem war es in Westminster: Am London Eye, auf der Westminster Bridge, am Big Ben und an der Downing Street war fast kein Durchkommen. An vielen der schönen roten Telefonzellen bildeten sich Foto-Warteschlangen. Die armen Pferde (und ihre Reiter) der Horse Guards taten mir richtig leid: Nahezu jeder ließ sich mit ihnen fotografieren.

Mir ist das too much. Wir sind dann bewusst abseits der üblichen Touristenpfade unterwegs gewesen.

London Underground

2. London hat ein Verkehrsproblem.

Weil wir uns am ersten Tag einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten verschaffen und uns orientieren wollten, haben wir eine „Hop on Hop off“ Tour gemacht. Die war prinzipiell auch wirklich gut. Jedoch: Es ging kaum voran – der Bus stand mehr als dass er fuhr. Alle paar Meter unterbrach der Fahrer das Band mit den interessanten Erläuterungen und ließ klassische (Warte-)Musik laufen.

Londons Straße sind einfach hoffnungslos überfüllt. Die Ampelschaltungen sind – sagen wir: strange.

Das U-Bahn-System ist gut, doch die unterirdischen Wege sind zum Teil sehr weit und von der Stadt sieht man dort: nix. Wir sind deshalb viel zu Fuß unterwegs gewesen.

Englisches Frühstück

3. London ist keine Stadt für Feinschmecker.

Ich weiß: England ist nicht für seine gute Küche bekannt. Aber dass es so wenig schmackhaft sein würde, hätte ich nun auch wieder nicht gedacht (und ich bin echt nicht besonders pingelig). Das Beste an unserem Frühstück im Coppa Club war jedenfalls nicht das Essen sondern der großartige Blick auf die Tower Bridge und The Shard.

Ob Pub, Hotelbar oder Café: Nirgends fanden wir das Essen richtig gut. Unterwegs trifft man überall auf die gleichen (langweiligen) Ketten: Subway, EAT, Pret A Manger, Caffè Nero, Starbucks,… Da kehre ich auch in anderen Städten nicht ein.

London hat bestimmt richtig gute Cafés und Restaurants – wir haben sie nur leider nicht gefunden.

London

4. London hat sehr adrette Viertel.

Damit jetzt hier kein falscher Eindruck entsteht: Ich finde London durchaus besuchenswert. Abseits der Hauptsehenswürdigkeiten gibt es hübsche, sehr adrette Viertel mit wahren Bilderbuch-Reihenhäusern. Wäre hier eins frei, ich würde schon einziehen, wenn ich es mir leisten könnte. Hier – zum Beispiel in Notting Hill, Kensington und Belgravia – ist es eine Freude, durch die Straßen zu spazieren.

Leider kommen meiner Meinung nach viele markante Gebäude in London gar nicht so richtig zur Geltung. Westminster Abbey, immerhin die Hochzeitskirche von William und Kate, liegt etwas versteckt im Schatten von Big Ben und den Houses of Parliament. The Gherkin ist regelrecht eingequetscht zwischen älteren und moderneren Bürogebäuden in der City of London. Auch auf die mächtige St. Pauls Cathedral hat man von Weitem keine uneingeschränkte Sicht. Schade.

Buckingham Palace London

5. London zeigt sich nicht bewaffnet.

Nach den Anschlägen der jüngsten Vergangenheit hätte ich mit einer hohen Polizeipräsenz gerechnet. Dem war nicht so. Viele Bobbies gab es lediglich an der Downing Street und an den royalen Gebäuden wie dem Buckingham Palast (siehe Foto).

In allen größeren Shops stand am Eingang natürlich auch Sicherheitspersonal. Aber das ist ja inzwischen auch in scheinbar nicht Terror gefährdeten Städten üblich.

Trotzdem habe ich mich nicht unsicher gefühlt. Ich finde: (Terror-)Angst ist ein schlechter (Reise-)Begleiter. Die Wahrscheinlichkeit, dass mir auf dem Weg zur Arbeit oder im Haushalt etwas passiert, ist statistisch gesehen höher.

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6. London ist wie eine große Dorfgemeinschaft.

Die britische Hauptstadt, immerhin eine der größten Europas, ist mir gar nicht so riesig und unübersichtlich vorgekommen wie ich es von anderen Megacitys kenne. Es kam mir eher so vor, als ob Londons Bezirke wie kleine Dörfer sind, die direkt aneinander grenzen und insgesamt ein großes Ganzes ergeben. Chelsea, Mayfair, Tower Hills, … – sie alle scheinen in sich abgeschlossen Teil der Großstadt zu sein. Wir fühlten uns jedenfalls zu keiner Zeit „erschlagen“ oder orientierungslos.

Tower Bridge London

Mein Fazit und wieso ich nach London gereist bin

Das Wochenende in London war schön, auch wenn wir natürlich längst nicht alles gesehen haben. Doch spüre ich nicht das Bedürfnis, schon bald wiederzukehren zu wollen, um da weiter zu machen, wo wir wegen der knappen Zeit aufhören mussten.

Wir, das sind meine Tochter und ich, die am Karnevalswochenende in London waren. Traditionell hätte sie britische Hauptstadt in diesem Schuljahr mit ihrer Klasse für einen Tagesauflug besuchen sollen, wie dies die anderen Klassen in den letzten Jahren auch immer gemacht haben. Die Tour nach London wurde 2018 allerdings gestrichen – wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen. Aus Sicht der Lehrer kann ich das nachvollziehen, ich verstehe aber auch die Schüler, die sich schon darauf gefreut hatten und nun enttäuscht sind. Dass ihnen auch die Ausflugsalternative gefallen wird (und sie sich für einen Tagesausflug wahrscheinlich sogar noch besser eignet als London), können sie ja heute noch nicht wissen.

Um meiner Tochter eine Freude zu machen (für mich war es, nebenbei bemerkt, auch eine), habe ich ihr vorgeschlagen, dass wir beide ein Mutter-Tochter-Wochenende in London verbringen. Es war unser Weihnachtsgeschenk 2017. Jetzt überlegen wir schon, welche Stadt wir vielleicht als nächstes gemeinsam entdecken können. Wieder London wird es aber wohl nicht sein.

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Zur Vorbereitung hatte ich übrigens neben dem klassischen Reiseführer zum ersten Mal ein Sachbuch gelesen: „London Calling“. Mehr darüber erfährst du …hier.

 

 

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