Mein persönliches Ruhrgebiets-ABC

DSC03873   IMG_0130   IMG_0147
Mein ganzes über vier Jahrzehnte langes Leben verbringe ich nun schon im Ruhrgebiet. So isset eben(d)! Da sind ganz schön viele Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen zusammengekommen. Einige davon teile ich hier mit dir in meinem persönlichen Ruhrgebiets-ABC von A wie A40 bis Z wie Zeche:
.
A wie A40
Die Hauptverkehrsader des Ruhrgebiets, sie geht einmal quer durch von Osten nach Westen. Alle paar hundert Meter gibt es eine Ausfahrt. Auf der A40 ist eigentlich immer Stau. Sie ist ein Stammgast im Verkehrsfunk. Wer sie täglich fahren muss, flucht wahrscheinlich auch täglich. Wenn dann noch ein Unfall passiert oder eine Baustelle ist … siehe V wie Verkehrschaos.
B wie Bude
Die Bude gehört zum Pott wie die Mayo auf die Pommes. 2016 war sogar das Jahr der –> Trinkhalle.
C wie Currywurst, Pommes, Mayo
So etwas wie das Nationalgericht im Pott. Ob alt oder jung, reich oder arm – „CPM“ mag fast jeder. Nicht gerade gesunde Kost, aber leeeeecccckkkker!
D wie Dativ
Mit der Grammatik nehmen es die Ruhrgebietler nicht so genau. Was ich irgendwie auch sympathisch finde. „Ich geh ma nach’m Garten.“ „Komm, lass uns im Kino gehen.“ „Dat is doch der Omma ihr Radio.“ So geht Umgangssprache im Pott.
E wie Emscher
Ein Nebenfluss des Rheins im Ruhrgebiet. Früher angeblich eine Kloake, heute wieder akzeptabel.
F wie Fußball
Eine Religion im Pott. Jede Stadt hat natürlich mindestens einen Verein, einige davon auch in der Bundesliga. Spielen sie gegeneinander („Revier-Derby“), ist viel Polizei gefragt. Die Anhänger mögen sich nämlich so überhaupt gar nicht…
G wie Grenze
Im Ruhrgebiet geht eine Stadt fließend in die andere über.  Dass man plötzlich in einer anderen Stadt ist, merkt man eigentlich nur am Ortseingangsschild oder an den Autokennzeichen. An der Stadtgrenze wechselt dann der Straßenname. So heißt zum Beispiel eine große Hauptstraße im Osten Duisburgs Mülheimer Straße. Auf der anderen Seite der kaum wahrnehmbaren Stadtgrenze heißt sie dann Duisburger Straße.
H wie Heimat
Auch wenn unsere Region sicher nicht mit ihrer Schönheit punktet: Das Ruhrgebiet ist unsere Heimat.
I wie Industriekultur
So steht es auf www.route-industriekultur.ruhr: „Hochöfen, Gasometer und Fördertürme haben über Jahrzehnte das Gesicht des Ruhrgebiets geprägt. Heute sind sie wichtige Zeugen der 150-jährigen industriellen Vergangenheit des Reviers, aber auch des sich vollziehenden Strukturwandels zur Metropole Ruhr. Die ehemaligen Produktionsstätten sind keine Orte wehmütiger Erinnerung, sondern haben sich längst zu lebendigen industriekulturellen Räumen und attraktiven Veranstaltungsorten mit touristischer Anziehungskraft entwickelt.“
J wie Junggesellenabschied
Geht mal am Samstagabend ins CentrO. in Oberhausen. Auf der Promenade werden euch mindestens fünf auffällig gekleidete Junggesell(inn)en-Gruppen begegnen. Scheint dort ein ideales Pflaster zu sein, um die Artikel im Bauchladen an die Frau oder den Mann zu bringen.
K wie Kumpel
Liebevoller Name für die Bergleute. Leider gibt es kaum noch welche von ihnen – fast alle Zechen wurden dicht gemacht.
L wie Logport
Riesiges Areal im Duisburger Hafen, dem größten Binnenhafen Europas. Wo früher Industrieanlagen oder Hafenbecken waren, ist heute Platz für Logistik. Überall Logistikzentren und Containerflächen. In Duisburg ist übrigens die Endstation des „Trans-Eurasia-Expresses“, der ersten kommerziellen Güterzugverbindung zwischen China und Deutschland.
M wie Maloche
Anderer Ausdruck für „Arbeit“. Das entsprechende Verb heißt „malochen“.
N wie Natur
Gibt es hier mehr, als so mancher denkt. Und das Schöne: Mit dem Rückzug der Industrie erobert sich die Natur immer mehr Bereiche zurück.
O wie Oeffentlicher Personennahverkehr
Funktioniert leider nicht immer zuverlässig. Die Abstimmung der verschiedenen städtischen Verkehrsgesellschaften könnte auch besser sein. Wenn der ÖPNV besser wäre, gäbe es vielleicht auch weniger Verkehrschaos.
P wie Pott
So etwas wie ein Kosename für das Ruhrgebiet.
Q wie Querdenker
Die Ruhrgebietler denken manchmal eigenständig und originell. Nicht immer werden ihre Ideen und Ansichten verstanden oder akzeptiert. Schade eigentlich.
R wie Ruhr
Dieser Fluss schlängelt sich fast durch das gesamte Revier und mündet in Duisburg in den Rhein.
S wie Stau
Alltag im Pott. Irgendwo ist eigentlich immer Stau. Zu den Hauptverkehrszeiten (morgens und abends) natürlich besonders.
 T wie Tauben
Die Brieftaube ist das „Rennpferd des kleinen Mannes“. Jahrzehntelang waren das liebste Hobby der Bergleute. Angeblich lebt rund ein Drittel aller deutschen Züchter im Ruhrgebiet. Dem typischen Taubenvatta aus dem Arbeiter-Milieu wurde in Castrop-Rauxel sogar ein Denkmal gesetzt.
U wie Universität
Das Ruhrgebiet ist durchaus eine „Denkfabrik“. So viele Universitäten und Fachhochschulen wie hier gibt es wohl in Deutschland sonst nirgendwo so gebündelt.
 V wie Verkehrschaos
Ein Dauerzustand. Siehe auch A wie A40 und S wie Stau.
W wie Werksbesichtigung
Total interessant, sollte man auf jeden Fall mal machen. Wenn zum Beispiel direkt vor einem das heiße Roheisen umgefüllt und die Brammen im Walzwerk geformt werden, ist das schon beeindruckend.
X und Y
Dazu fällt mir beim besten Willen nix ein.
Z wie Zeche
Gehörte jahrzehntelang zum Ruhrgebiet wie der Kohlenstaub ins Gesicht der Kumpel. Sind heute entweder abgerissen oder Museum.

 

 

 

 

 

*** Zu welchen Buchstaben fällt dir etwas anderes ein? Schreib mir doch einfach – ich freue mich auf deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *