Oberhausen: Bedeutende Gesten

Wer wie ich viel verreist, der weiß: Vorsicht mit Gesten! Was in Mitteleuropa freundlich oder lustig gemeint ist, kann in anderen Kulturkreisen eine Respektlosigkeit oder gar eine Provokation sein. Auch in der Kunst finden sich Gesten wieder. Ihnen widmet die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zurzeit eine eigene Ausstellung. Beim Bloggertag haben wir nicht nur über die Gesten verschiedener Kunstwerke diskutiert, sondern von einer Expertin für Körpersprache auch Interessantes und Hilfreiches für die eigene Mimik und Gestik erfahren.

Oberhausen Die Geste

Wir starteten an einem Bild, das wir alle kennen, weil es um die Welt ging und uns alle irgendwie amüsierte. Es zeigt die jubelnde, etwas unbeholfen wirkende Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Aus welchem Grund wir einmal mit ähnlicher Pose so richtig gejubelt hätten, fragte uns Museumsvolontärin Linda Schmitz. Hm. So richtig impulsiv, schien es, ist keiner von uns. “Ich jubele eher im Stillen”, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt.

Dabei setzt Jubeln Kräfte frei, erklärte uns Isabella Herzig, die auch als Trainerin für emotionale Intelligenz arbeitet. Sie forderte uns auf, es gleich einmal auszuprobieren. Wir reckten uns, spannten den gesamten Körper an und merkten, wie wir ihn dadurch mit Energie aufladen. “Wenn ihr also mal ein wichtiges Gespräch habt, macht euch vorher groß und übt die Siegerpose. Aber besser auf der Toilette, sonst habt ihr bald keine Freunde mehr”, riet uns die Expertin schmunzelnd.

Oberhausen Die Geste

An weiteren Bildern versuchten wir, Gesten zu lesen: Verzweiflung, Resignation, Langeweile, Trauer,… Und wir übten selbst: Was verändert sich im Gesicht bei Trauer, was macht ein echtes Lächeln aus, wie ist unsere Körperhaltung, wenn wir betrübt sind und wie, wenn uns gerade der Supercoup gelungen ist?

Oberhausen Die Geste

Bei den putzigen Gartenzwergen von Ottmar Hörl erfuhren wir, dass der schräg nach oben ausgestreckte Arm im Mittelalter eine ganz andere Bedeutung hatte als heute. Ich weiß jetzt außerdem, dass Winston Churchill das Victory-V bekannt machte und Jahre später John Lennon das Peace-V. Wie gestenreich Geschichte sein kann!

Oberhausen Die Geste

Der “Jahrhundertschritt” von Wolfgang Mattheuer brachte uns wieder in Bewegung. Das Wort “gehen”, erklärte Isabella, verbinden wir häufig auch mit Stimmungen: “Wie geht es?” – “Geht so.” – “Läuft bei dir.” – “Nichts geht mehr.”

Und wenn es eben mal nicht so voran geht, zum Beispiel bei der Arbeit, dann rät die Expertin: Aufstehen und laufen! Das lockert den Körper und oft auch (Denk-)Blockaden. Wieder probierten wir es aus: Wir gingen gaaanz langsam (trainiert das Gleichgewicht), rollten unsere Füße bewusst von der Ferse bis zu den Zehen ab, liefen erst resigniert und zuletzt triumphierend. Eine tolle Übung, die die eigene Wahrnehmung schult und sich fast immer und überall in den Alltag einbauen lässt.

Oberhausen Die Geste

Auch für den Alltag am Smartphone gab es nützliche Tipps, und zwar am “SMART TUNNEL” von Myriam Thyes. Seien wir ehrlich: Hängen wir erst mal am Handy, sind wir oft genug wie in einem Tunnel und kriegen vom Drumherum nicht mehr viel mit. Unsere Gesten dabei: geneigter Kopf und Wischefinger. Isabellas Rat an alle Smartphone-Nutzer: auf den Nacken achten und das Gerät öfter auf Augenhöhe halten! – Ich will es versuchen. Meine Geste dazu: Daumen hoch.

Oberhausen Die Geste

Und jetzt du! Die Ausstellung “Die Geste” ist noch bis zum 13. Januar 2019 zu sehen. Weitere Informationen: www.ludwiggalerie.de

Vielen Dank an die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen für die Einladung zum Bloggertag. 

Und, last not least, sind hier noch die Beiträge der anderen Blogger:

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