Mein Herz schlägt für Ostfriesland

Mein Herz schlägt für Ostfriesland, seitdem ich 2004 meine Freundin dort besuchte. Sie war der Liebe wegen ausm Pott hintern Deich gezogen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Das Dorf, in dem sie seit inzwischen über 17 Jahren lebt, liegt wirklich direkt hinter dem Deich der Ems. Richtig was los ist hier eigentlich nur, wenn mal wieder ein Kreuzfahrtgigant aus der Papenburger Werft Richtung Nordsee geschleppt wird.

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Mein Besuch bei ihr dauerte drei Tage. Ihre Mädels waren damals noch so klein, dass wir keine großartigen Ausflüge machten. Als wir uns verabschiedeten und ich ins auf dem Weg zur Autobahn war, dachte ich: „Wie jetzt, ich war in Ostfriesland und habe nicht das Meer gesehen?“ Spontan beschloss ich, nicht zurück ins Ruhrgebiet zu fahren, sondern Richtung Küste abzubiegen.

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Ohne Navi und ohne Karte fuhr ich, wohin mein Gefühl mich leitete: durch Felder und kleine Dörfer, an Moorland, Viehweiden und etlichen Windrädern vorbei. Wie sehr ich die Weite und die Leere genoss! Eigentlich sah ich nur drei Farben: das Grün der Wiesen, das Blau des Himmels und das Weiß der Wolken. Noch heute erinnere ich mich, wie sehr mich diese Umherfahrt entspannte.

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Der Zufall wollte es, dass ich in Dornumersiel das Meer erreichte. Es war ein traumhaft schöner Sommertag, also parkte ich mein Auto, ging zum Strand und atmete die salzige Luft. Als der Hunger kam, aß ich im Strandrestaurant fangfrischen Fisch mit Blick auf das Meer. Danach legte ich mich wieder in den wohlig-warmen Sand. Eigentlich hätte ich mich genau jetzt wieder auf den Heimweg machen müssen. Stattdessen rief ich zuhause an, um mir das Okay zu holen, noch über Nacht zu bleiben.

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Bei meinem Streifzug durch die Gegend entdeckte ich eine zauberhafte Teestube, wo ich es mir mit einer Zeitschrift bei frisch gebackenem Ostfriesentee mit Kluntje gemütlich machte.

Zum Glück fand ich in Dornum spontan eine hübsche Unterkunft. Etwas komisch war nur, dass ich als Allein-unterwegs-Frau überall so misstrauisch-mitleidig angesehen wurde: an der Rezeption, im Restaurant, beim Frühstück. Aber wahrscheinlich gerade deswegen kam ich auch mit vielen Einheimischen ins Gespräch. Der Ostfriese an sich gilt ja nicht gerade als so geschwätzig wie der Ruhri. Er hat eine harte Schale, doch meistens einen weichen Kern. Wer sich von der zunächst herben Art nicht abschrecken lässt, kann gute Gespräche führen. Das sagt aus Erfahrung auch meine Freundin: Es ist schwer, eine Beziehung zu den Ostfriesen aufzubauen, doch hast du sie erst „geknackt“, hast du Freunde fürs Leben.

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In gewisser Weise hat Ostfriesland mich an diesen Tagen im Juni 2004 auch geknackt. Mir ist dieser Landstrich richtig ans Herz gewachsen. Warum? Darum:

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Die Weite

An der Nordseeküste gibt es nichts, was dem Auge im Weg ist. Am Ende des Horizonts sieht man allenfalls – je nach Standort – Windräder oder Küste. Ich mag diese Weite. Nichts engt ein. Es ist genug Platz für alle.

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Das Meer

Mal ist es da, oft aber auch nicht. Wer an die Nordsee reist, muss sich dem Rhythmus der Gezeiten anpassen. Auf den Inseln merkt man davon, finde ich, nicht ganz so viel. Am Festland kann es sein, dass man am Strand sitzt und da ist kein Meer. Sondern Matsch … äh … Watt. Das ist zugegebenermaßen nicht so schön. Aber es gehört dazu und eröffnet auch ganz neue Perspektiven und Möglichkeiten der Wahrnehmung: Watt fühlt sich nämlich ganz besonders an, anders als Matsch. Und nicht überall ist der Meeresgrund bei Ebbe gleich. Sehr faszinierend.

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Die Luft

Die gute Seeluft ist sicher für viele der Grund, warum sie gern an die ostfriesische Küste reisen. Für mich auch. Die frische Brise macht meinen Kopf frei und lässt mich durchatmen.

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Die Kulinarik

Mir schmecken Fischgerichte nirgendwo besser als an der Nordsee. Und eigentlich esse ich hier auch fast ausschließlich Fisch. Es gibt ihn in allen Variationen mit unterschiedlichen Beilagen. Ob als Alltagsgericht oder als feine Speise: Der Fisch ist immer frisch und sooo lecker. Am Nachmittag muss es dann eine Teetied geben. Ich mag die ostfriesische Teekultur und das hübsche Porzellan, in dem der Ostfriesentee dort überall serviert wird. Einige Male habe ich mir Tee für zuhause mitgebracht. Viiiel besser schmeckt er aber natürlich da, wo er herkommt.

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Zurück zuhause habe ich meinen Mann gleich zu einem Schnupperwochenende in Ostfriesland überredet. Wenige Wochen später sind wir zu zweit zurückgekehrt. Das Schöne: Auch ihm gefällt es dort! Seitdem sind wir immer wieder in Ostfriesland gewesen – schon bald auch zu dritt. Doch das ist wieder eine andere Geschichte.

 

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