Paris: Heute und vor 20 Jahren

Für mich ist Paris eine der schönsten Städte überhaupt. Ich war schon einige Male dort. Als meine Freundin Anfang der 2000er für zwei Jahre in Paris arbeitete und lebte, haben wir sie zweimal für mehrere Tage besucht. Mit ihr haben wir die Stadt sehr gut kennen gelernt und ganz neu erlebt. Viele Jahre sind seitdem vergangen, und vieles (auch Unschönes) ist in Paris passiert. Jetzt war ich – endlich! – wieder da. Dieser Beitrag ist ein Mix aus Erinnerungen von damals und neulich.

Meine Freundin wohnte in der Nähe des Tour Montparnasse, was auch damals ein kleines Vermögen gekostet hat. Doch die schöne Wohnung in guter Lage war es ihr wert.

Der schwarze Turm wirkt im Pariser Stadtgebiet eher wie ein Fremdkörper, er hat aber eine tolle Aussichtsplattform mit einem fantastischen Blick auf den Eiffelturm.

Auf ihrer Straße gab es sehr viele Crêperien, wo wir es uns mehrere Male haben schmecken lassen. In dieser Dichte habe ich sie in diesem Jahr nirgends in der Stadt wiedergefunden.

Damals wie heute waren wir vor allem zu Fuß unterwegs. Für mich ist es – egal wo – der beste Weg, eine Stadt zu entdecken. In Paris gibt es fast an jeder Ecke, in jeder Straße etwas zu sehen: gemütliche Bistrots, kleine Boutiquen, Bäckereien und Käseläden.

Am liebsten würde ich überall reingehen und etwas kaufen. Daran hat sich nichts geändert. 🙂

Für längere Distanzen haben wir damals wie heute die Métro genommen. Nirgendwo sonst habe ich bislang ein solch gutes Verkehrssystem erlebt. Fast überall gibt es eine Métro-Station. Mit einem Ticket (zehn Stück, ein “Carnet”, kosten ca. 15 Euro) kann man theoretisch durch die ganze Stadt fahren und umsteigen soviel man möchte. Schwarzfahren ist quasi unmöglich, da man überall nur mit einem Ticket durch die Schranke kommt. Egal welche Linie: Die Métro fährt im Wenige-Minuten-Takt, auch abends und am Wochenende. Sie bleibt nie im Stau stecken. Die Züge und Stationen sind teilweise moderner geworden. Noch immer ist das System ist leicht verständlich. Einfach jeder nutzt in Paris die Métro: Kinder und Senioren, Arme und Reiche, Pariser und Touristen.

Apropos Touristen: Die Stadt ist voller geworden. Die Hop-on-hop-off-Busse waren bis auf den letzten Platz gefüllt, an den Stationen lange Schlangen. Es sind einfach mehr Reisende unterwegs. Viele von ihnen kommen aus Asien.

Das dichteste Touristengedränge war meiner Meinung nach rund um Notre-Dame, eine der Top-Sehenswürdigkeiten von Paris. Die Kathedrale ist seit 1991 UNESCO-Weltkulturerbe.

Bei einem Großbrand Mitte April 2019, der international Bestürzung auslöste, wurde das historische Bauwerk teilweise zerstört. Betroffen war im Wesentlichen der hölzerne Dachstuhl. Die Westfassade mit den Haupttürmen, die Wände des Mittelschiffs sowie die Seitenschiffe blieben weitestgehend stabil. Es wird sicher Jahre dauern, bis das Bauwerk repariert und saniert ist. Wann die Kathedrale wieder für Besucher geöffnet sein wird, ist noch unklar.

Während unseres Aufenthaltes (Ende Mai 2019) waren große Teile der Île de la Cité, auf der sich Notre-Dame befindet, abgesperrt und von der Polizei gesichert. Das touristische Interesse war dennoch (oder gerade deswegen) sehr hoch. Entsprechend voll war es rund um die Kathedrale, die neben dem Eiffelturm eines der Wahrzeichen von Paris ist.

Da erinnerte ich mich wieder an unsere Besuche zu Beginn des Jahrtausends. So leer wie auf der Treppe des Grande Arche in La Défense war es zwar auch nicht überall, aber schon deutlich leerer.

Es machte sich damals auch niemand Gedanken über Anschläge. Der Terror schien weit weg. Diese Zeiten haben sich leider geändert. Heute gehören bewaffnete Soldaten zum Stadtbild, sie sind uns in Paris mehrfach begegnet. An vielen Stellen gibt es Sicherheitskontrollen, zum Beispiel am Louvre. Auch die Security in vielen Geschäften besteht darauf, einen Blick in Handtasche oder Rucksack zu werfen.

Ein Must-See ist immer wieder das Edelkaufhaus “Galeries Lafayette“. Das Stammhaus in Paris, eines der ältesten Kaufhäuser Frankreichs, hat eine wunderschöne Jugendstilarchitektur. Seine Kuppel – ein Traum! Es gibt auch eine Außenterrasse, die bei unserem Besuch wegen Umbauarbeiten leider geschlossen war.

Ganz neu ist dafür jetzt, offenbar seit Weihnachten 2018, der “Glasswalk“. Auf der dritten Etage, in etwa 16 Metern Höhe, wurde ein schwebender Laufsteg mit gläsernem Boden installiert, der einen noch besseren Blick auf die wunderschöne Kuppel und die Luxusshops im Erdgeschoss ermöglicht. Da die Anzahl der Leute, die den Glasswalk betreten dürfen, begrenzt ist, gibt es Wartezeiten.

Fun Fact: Um die sehr große Menge von Touristen aus China und anderen asiatischen Ländern adäquat bedienen zu können (und auch ein bisschen, um sie besser zu steuern), haben die Galeries Lafayette direkt gegenüber vom Stammhaus eine Dependance eröffnet. Hier im “Welcomecenter” ist alles zweisprachig. Es sind vor allem in Paris lebende Asiaten beschäftigt, um die wohlhabende Kundschaft auch auf Mandarin beraten zu können. Denn: Bis zu 10.000 Euro gibt angeblich jeder chinesische Gast im Durchschnitt in Paris aus. Einen sehr interessanten Artikel darüber findest du …hier.

Doch nicht nur die Chinesen machen manchem Pariser zu schaffen – auch die so genannten Instagrammer. Paris ist eine großartige Kulisse für Fotos, und manche Ecken scheinen sich sogar extra hübsch zu machen. Vielleicht auch das Café “Le Vrai Paris” im ohnehin schon malerischen Viertel Montmartre?

Über den Instagram-Hype in Paris habe ich im “Spiegel” einen ebenfalls sehr interessanten Beitrag gelesen. Du findest ihn …hier.

Vor knapp 20 Jahren gab es übrigens einen Hype um das Eis von “Berthillon“, das angeblich beste von Paris. Die Schlange vor dem kleinen Laden auf der Île Saint-Louis war entsprechend lang, auch wir standen für ein paar kühle Kugeln an. Es war wirklich sehr lecker, das habe ich noch in Erinnerung. Und heute? Scheint sich Berthillon vervielfältigt zu haben. Ich sah es jedenfalls an mehreren Stellen in der Stadt. Der kleine Laden auf der Île Saint-Louis ist noch da. Hier war es überraschend leer, das Eis aber immer noch genauso gut.

Was hat sich noch geändert in den letzten zwei Jahrzehnten? Die moderne Art der Fortbewegung in der Stadt: Wer nicht zu Fuß gehen möchte, leiht sich ein Rad oder einen E-Scooter. Letztere scheinen allerdings schon wieder auf dem Rückzug zu sein, wie die “Bild” am 10.06.2019 …hier berichtete.

Da lob ich mir doch mein “Oldschool”-Vorankommen in Paris: zu Fuß mit Reiseführer und Stadtplan in der Hand. Ja, ich weiß, dass es inzwischen Apps gibt. Wir haben uns auch gelegentlich von Google navigieren lassen. Aber nur noch aufs Smartphone starren, gar nicht mehr selbst denken und manch Schönes aufm Umweg verpassen – das kann ich mir (noch) nicht vorstellen.

Sehr zufrieden habe ich zur Kenntnis genommen, dass die omnipräsente Kaffeekette mit der Meerjungfrau im Logo in Paris nicht besonders verbreitet ist. Anfang der 2000er Jahre gab es sie in Europa noch gar nicht, glaube ich. Meinetwegen hätte sie in den USA bleiben können.

Ich genieße lieber “echten” Kaffee aus dem jeweiligen Land. Und der Café au lait in Frankreich ist wahrlich nicht schlecht. Wie das Essen allgemein: angefangen beim petit déjeuner Parisien über das Crêpe zwischendurch, ein Stück Quiche zum Mittag und etwas Leckeres am Abend. An vielen Köstlichkeiten bin ich sehnsüchtig vorbei gegangen. Ich hebe sie mir für den nächsten Besuch auf. 😉

Denn: Paris war und ist für mich einfach eine der schönsten Städte überhaupt. Daran hat sich in der langen Zwischenzeit nichts geändert. Ich hoffe sehr, dass es nicht wieder fast 20 Jahre dauert, bis ich wieder an die Seine fahren werde. In diesem Sinne: À bientôt, Paris!

P.S.:
Ich bin einmal mit dem Bus nach Paris gefahren, einmal mit Bonusmeilen geflogen und zweimal mit dem Thalys gefahren. Die Anreise mit dem Zug ist rückblickend mein Favorit. Warum das so ist, darüber habe ich …hier geschrieben.

 

 

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