Pisa: Landausflug zum Schiefen Turm

Wohl jeder kennt den Schiefen Turm von Pisa. Er ist ein Wahrzeichen für Italien, wenn nicht sogar für Europa. Deswegen wollten natürlich viele der internationalen Gäste auf unserem Kreuzfahrtschiff nach Pisa – und wir auch. Weil wir auf Nummer sicher gehen wollten, dass wir das Schiff wieder rechtzeitig erreichen und es nicht ohne uns abfährt, buchten wir einen organisierten Landausflug. Ob das eine gute Idee war?

Busfahrt

Unser Hafen war La Spezia in Ligurien, rund eine Stunde Fahrzeit von Pisa entfernt. Am Bus empfing uns Azzurra mit einem fröhlichen “Buon giorno!”. Von ihr erfuhren wir während der Fahrt vorbei an Carrara, dass hier der teuerste Marmor der Welt abgebaut wird. Echt interessant!

Azzurra, was so viel wie “light blue” bedeutet, brachte ihrer überwiegend englischsprachigen Reisegruppe außerdem ein paar Worte Italienisch und einige typische Gesten bei, mit denen man sich im gesamten Land auch ohne Worte gut verständigen könne. Auch sehr interessant und witzig zugleich!

Pisa Straßenschild

Wir näherten uns Pisa, und Azzurra versorgte uns mit weiteren Informationen sowie wichtigen Hinweisen für den Verlauf des Ausflugs: dass wir, wenn wir denn den Schiefen Turm besteigen wollten, uns bitte sofort anstellen müssten, wo der beste Platz für ein gutes Foto sei (bei den Zypressen), wo es Toiletten und leckere Pizza gibt und – natürlich! – wann und wo wir uns wieder treffen.

Pisa Landausflug

Unser Fahrer steuerte einen am Stadtrand gelegenen Parkplatz für Reisebusse an, wo natürlich auch andere Großfahrzeuge ihre Gäste abluden. Von dort aus liefen alle Gruppen der Kelle, dem Schirm oder dem Fähnchen ihrer Reiseleiterin hinterher. Am Parkplatz und auf den letzten Metern des etwa 15-minütigen Wegs kamen wir an den ersten Souvenirhändlern vorbei.

Pisa

Nachdem sie uns vor Ort noch einmal den Treffpunkt gezeigt und uns die Uhrzeit für die Rückfahrt eingeschärft hatte, entließ uns Azzurra – der Ausflug hieß ja schließlich “Pisa on your own”. Wir hatten nun sage und schreibe eine Stunde Zeit zur freien Verfügung. Das war definitiv zu wenig. Hätten wir den Turm besteigen wollen, hätten wir wirklich direkt hineilen, ein Ticket kaufen und uns anstellen müssen. Das kam für uns nicht in Frage.

Pisa

Wir schlenderten umher und schauten uns um. Schließlich fanden wir den Platz bei den Zypressen, von wo aus man (auch an einem bewölkten Tag) einen wirklich schönen Blick auf den Schiefen Turm von Pisa und den Dom Santa Maria Assunta hat. Beide Gebäude sind aus schneeweißem Marmor. Ob dieser aus Carrara kommt? Keine Ahnung.

Der berühmte Schiefe Turm, der Campanile (Glockenturm), neigte sich wegen des Untergrunds aus lehmigem Morast und Sand jedenfalls schon kurz nach seinem Baubeginn 1173. In den 1990er Jahren wurde seine Neigung so gefährlich, dass der Turm für rund zehn Jahre für die Öffentlichkeit gesperrt werden musste.

Pisa Detail Glockenturm

Dieses Detail an der Fassade des Turms haben vermutlich die meisten Touristen gar nicht wahrgenommen, schätze ich. Warum?

PIsa Touristen Fotowahn

Weil es mir so vorkam, als wären die meisten nur gekommen, um ein “gutes” Foto mit sich und dem Turm zu machen. Entlang der Wiese vor dem Turm posierten Menschen aus aller Herren Länder. Sie stützten den Turm mit Händen oder Füßen, schleckten an ihm, trugen ihn auf der Hand, berührten seine Spitze, … Das Ergebnis ist zahlreich bei Instagram zu sehen: #pisa.

Es fällt mir kein Bauwerk ein, an dem mir bislang ein vergleichbarer Fotowahn begegnet ist. Irgendwie wurde ich den Eindruck nicht los, dass viele der Besucher gar nicht da waren, um sich die Stadt oder ihre Bauwerke anzusehen, sondern einfach nur, um ein “kreatives” Foto zu machen. Schade eigentlich.

Pisa Capuccino

Pflichtbewusst wie wir sind, kehrten wir pünktlich zu unserem Treffpunkt zurück. Wir waren ein paar Minuten zu früh (wie fast immer), so dass ich im Café nebenan noch einen Cappuccino genießen konnte. Auf Pisa!

Pisa Souvenirs

Azzurra und der Fahrer brachten uns sicher wieder zurück zum Schiff. Die beiden haben wirklich einen prima Job gemacht. Ihre Reisegruppe war zufrieden und verabschiedete sich mit Applaus.

Ich hatte mir “Pisa on your own” irgendwie anders vorgestellt. Mein Fehler! Dass eine halbtägige Tour nur so verlaufen kann, hätte ich mir denken können. Nur vier Stunden abzüglich Fahrzeit erlauben einfach keine gemütliche Stadtbesichtigung.

Trotzdem war der Landausflug während unserer Kreuzfahrt kein Reinfall: Wir haben was über Land und Leute gelernt, eines der bekanntesten Wahrzeichen Italiens live gesehen und mussten uns um so gut wie gar nichts selbst kümmern. Das ist gerade im Urlaub doch auch schön!

 

 

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