Oberhausen: Paparazzi im Schloss

Früher gab es überwiegend Paparazzi, heute mehrheitlich Selbstinszenierer – oder?! Wie sich Fotografie in den letzten Jahrzehnten verändert hat, darüber kamen am zweiten April-Sonntag einige Blogger (Teilnehmer siehe unten) der Region beim geführten Gang durch die Ausstellung “Shoot! Shoot! Shoot!” in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ins Gespräch. Eine spannende Diskussion, denn: Wir alle fotografieren und posten nahezu täglich und sind daher ein Teil dieser Entwicklung.

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen   Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Zunächst hat uns Kuratorin Linda Schmitz die aktuelle Ausstellung erklärt: Zu sehen sind überwiegend Schwarz-Weiß-Fotografien aus der Sammlung der Schweizerin Nicola Erni. Die Bilder sind in den 60er und 70er Jahren von teils sehr bekannten Persönlichkeiten gemacht worden. Zu sehen sind zum Beispiel die Beatles, Twiggy, Marlon Brando, Brigitte Bardot, Mick Jagger, Yves St. Laurent und andere.

Schon nach Ansicht der ersten Bilder entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Wie wurde damals inszeniert? Warum wurden bestimmte Fotos nie veröffentlicht? Wer war damals hip?

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Am Beispiel von Edie Sedgewick wurde es konkreter. Sie war 1965 so etwas wie ein It-Girl. Edie Sedgewick spielte in einigen Filmen von Andy Warhol mit und zeigte sich mit ihm auf zahlreichen Partys.

Wer sind die It-Girls von heute und warum? Paris Hilton kann sicher schon als “die Mutter aller It-Girls” bezeichnet werden. Sie ist dem typischen Alter längst entwachsen und als Unternehmerin tätig.

Das Star-Poster in einer Jugendzeitschrift zierte in dieser Woche ein echtes YouTube-Phänomen und eine perfekte Selbstinszeniererin: Eine junge Frau, die längst keine Beautytipps mehr gibt, sondern inzwischen sehr viel Geld verdient und laut Manager Magazin zu den zehn einflussreichsten deutschen Frauen gehört. Ist sie ein It-Girl? Und wenn ja, warum?

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Auch zum Thema Paparazzi konnten wir die Unterschiede von früher und heute vergleichen und diskutieren. Einer der ersten bekannten war Ron Galella, der zu den Erschaffern der Sensationspresse gehört und dieses Genre zur Kunstform erhoben hat. Dass es sich als Paparazzi durchaus gefährlich lebt, musste Ron Galella am eigenen Leib erfahren: Marlon Brando hatte ihm 1973 bei einer sehr aufdringlichen Begegnung mehrere Zähne ausgeschlagen und den Kiefer gebrochen. Danach näherte sich der Fotograf dem Schauspieler nur noch mit Motorradhelm.

Und die Paparazzi heute? Sie müssen – je nach Fotoobjekt – auch gelegentlich mit Prügel rechnen. Oft sind sie aber auch so etwas wie ein Sparringspartner für die Stars. Denn: Je häufiger diese abgelichtet werden und in den internationalen Gazetten zu sehen sind, desto größer ist ihre Bekanntheit und damit letztendlich ihr Marktwert. Angeblich verabreden sich manche Prominenten sogar mit ihren Paparazzi – ich kann mir das durchaus vorstellen. Selbstinszenierung lässt grüßen!

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Nächstes Stichwort: Fashion. Die modebewusste Frau der 60er und 70er Jahre hat sich in Hochglanzmagazinen über die neuesten Trends informiert. Heute gehen deren Auflagen kontinuierlich zurück, dafür steigen die Reichweiten von Influencerinnen. Sie sitzen ganz selbstverständlich neben den Mode-Chefredakteuren in der ersten Reihe an den Laufstegen dieser Welt und posten gleich nach der Show, was angesagt ist und was es in der nächsten Saison zu tragen gilt.

Foodblogger machen uns Ernährungstrends schmackhaft, Reiseblogger nehmen uns mit zu den schönsten Orten der Welt. Interior-Design-Blogger zeigen uns, wie wir unsere Wohnung umstylen können und DIY-Blogger, wie wir mit etwas Geschick aus A, B und C ein individuelles Teil X basteln können. Die Aufzählung lässt sich thematisch nahezu unendlich ergänzen. Wir finden Fotos zu fast allem. Und wer hat sie gemacht? Wir selbst!

Irgendwie sind wir alle Paparazzi bzw. Reporter geworden. Wir sammeln keine Autogrammkarten mehr sondern Selfies. In den sozialen Medien laden wir das Foto vom Hagelkorn in Golfballgröße hoch, noch bevor der Sturm beim amtlichen Wetterdienst angekommen ist. Manche fotografieren so gut, dass es ein Profi wohl nicht besser könnte. Ob in dreißig, vierzig Jahren unsere Fotos im Museum hängen? Diese Frage eines Teilnehmers beim Bloggertag haben wir einfach offen gelassen.

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen   Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Die Ausstellung “Shoot! Shoot! Shoot” ist bis zum 27.05.2018 in der Ludwiggalerie Oberhausen zu sehen. Für den Besuch sollte man etwa eineinhalb bis zwei Stunden einplanen. Anschließend bietet sich ein Spaziergang durch den Kaisergarten oder am Rhein-Herne-Kanal an. Hier fahren auch Ausflugsschiffe.

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Gasometer Oberhausen, wo zurzeit “Der Berg ruft”. Diese Ausstellung ist eines meiner nächsten Ziele. Ich warte allerdings noch, bis es deutlich wärmer geworden ist. Die riesige Tonne ist nämlich nicht beheizbar, deshalb empfiehlt sich für Frierpitter wie mich ein Besuch in den Sommermonaten.

Am Bloggertag haben teilgenommen:

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