Duisburg: „Schokolade und mehr“

Wann hat man schon mal Gelegenheit, die Produktionsräume einer Konditorei zu besichtigen? Dass wir kürzlich einen Blick hinter die Kulissen des traditionsreichen „Café Kurz“ werfen konnten, war echter Zufall. Denn zufällig hatte ich in einem Stadtteilmagazin von der Aktion gelesen. Zufällig hatten wir an diesem Tag Zeit. Und zufällig traf ich den Chef trotz Ruhetag in seinem Geschäft an, um uns für die zweistündige Besichtigung mit dem vielversprechenden Titel „Schokolade und mehr“ anzumelden. Was für eine Perle der Zuckerbäckerkunst das Café Kurz offenbar ist, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

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So stand unsere kleine Familie Anfang Februar mit anderen Interessierten erwartungsfroh in der Konditorei, die nur wenige Meter vom lebhaften Friedrichsplatz in Duisburg-Ruhrort entfernt ist. Gut gelaunt empfing uns der Chef, Konditormeister Thomas Fischer, und führte uns als erstes in seine Warmbackstube. Hier stellt er mit einem Gesellen und zwei Azubis überwiegend Mürbeteigböden, Teegebäck und Quiches her, meistens gleich für mehrere Tage. „Wir arbeiten immer auf Vorrat“, erklärte er seine Planung.

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In einem Nebenraum, der Kaltbackstube, ist Platz für filigranere Arbeiten. Hier werden Sahnetorten fertiggestellt und verziert. Natürlich ist auch die Tortendeko selbst gemacht: Schokoraspeln, Zuckerrosen, Motive nach Wunsch und Beschriftungen aller Art kreiert der Chef am liebsten selbst.

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Nachdem wir einen Blick in den Kühlschrank werfen durften – wo schon die duftenden Torten für den Verkauf am nächsten Tag bereitstanden -, stiegen wir im Gänsemarsch die engen, steilen Treppen des charmanten und sehr verwinkelten Altbaus nach oben in den sogenannten Schokoladenraum.

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Spätestens hier lief allen das Wasser im Mund zusammen. Auf engem Raum warten fertige Schokoprodukte darauf verpackt zu werden: Herzen für den Valentinstag, Highheels und Handys, Enten und Bärchen, Marienkäfer und die klassische Tafelschokolade. Auch viele Pralinen“rohlinge“ gibt es zu sehen, die in dieser Zuckerstube unter dem Dach von Hand und mit Hilfe verschiedener Maschinen produziert werden.

Thomas Fischer legt Wert auf beste Zutaten, und das schmeckt man auch. Die Schokolade kommt aus Belgien, die Nüsse kauft er meist selbst in Italien. Wie er die Zutaten mischt, verrät der leidenschaftliche und energiegeladene Konditormeister natürlich nicht: „Geheimnis!“ Seine Erfahrung gibt er übrigens auch bei Messen und Events weiter, für die er regelmäßig gebucht wird.

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Hier im Schokoladenraum durften wir dann endlich auch probieren und selbst aktiv werden. Die Schokomaus und ich gestalten Herzen aus gerösteten Mandelstiften und Vollmilch- bzw. Dunkelschokolade. Sie trockneten so schnell, dass wir sie schon nach einigen Minuten einpacken und stolz mit nach Hause nehmen konnten (wo sie nicht mal die erste Woche überlebten). Natürlich verließen wir das Café Kurz mit weiteren köstlichen Mitbringseln. Sie erinnern uns noch eine Weile an einen wirklich interessanten und kurzweiligen Abend.

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Das Café Kurz gibt es seit 125 Jahren in Duisburg-Ruhrort. 1891 eröffnete Adam Kurz das Geschäft, in dem er zunächst überwiegend Bonbons, gekaufte Schokoladen und einige wenige selbst gebackene Kuchen anbot. 1930 übernahmen seine Töchter das Café. 1972 pachteten die Eltern von Thomas Fischer das Geschäft und übergaben es 2012 an ihren Sohn. Das Einzugsgebiet reicht angeblich weit über Ruhrort hinaus. Die Kunden kommen nach eigenen Angaben auch aus den Nachbarstädten und vom Niederrhein.

 

 

 

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