Zehn Thesen über Kreuzfahrten

Kaum eine Reiseform ist so klischeebehaftet wie Kreuzfahrten. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Irgendwie ist es ja auch nicht verwunderlich: Noch vor zwei Jahrzehnten war die Zielgruppe für Seereisen wirklich sehr klein, das Angebot ebenso. Heute boomt die Branche, ein Meeresgigant nach dem anderen läuft vom Stapel. Hier sind meine Kommentare zu zehn häufigen Vorurteilen über Kreuzfahrten.

Kreuzfahrten Schiff Rutschen

These 1: Nur alte Leute machen Kreuzfahrten.

Gegenthese: Senioren rutschen normalerweise nicht. Gäbe es auf Kreuzfahrtschiffen so viele Wasserrutschen, wenn nur alte Leute mitfahren? Wohl kaum.

Nach zwei Seereisen auf zwei unterschiedlichen Schiffen von unterschiedlichen Reedereien behaupte ich: Kreuzfahren ist was für jedes Alter. Vom Säugling bis zum Greis – alles war an Bord. Es gibt Kinderbetreuung vom Baby- bis zum Teeniealter und Freizeitangebote für Senioren.

Kreuzfahrten Meer

These 2: Einmal Kreuzfahrt, immer Kreuzfahrten.

Das scheint auf viele Urlauber zuzutreffen. Ich kenne jedenfalls eine Menge Leute, die jetzt fast nur noch Seereisen machen. Auf einem Kreuzfahrtschiff ist deren Dichte besonders hoch. Wohin man auch hört: Sehr häufig geht es um Routen, Schiffe und welche Tour als nächstes gebucht ist.

Wir fallen da ein bisschen aus der Reihe. Nachdem ich zunächst nicht so überzeugt war (mehr darüber …hier), kann ich mir heute durchaus vorstellen, bis zur nächsten Kreuzfahrt nicht wieder so viele Jahre zu warten.

Kreuzfahrten Schiff

These 3: Kreuzfahrten sind teuer.

Das stimmt wirklich nicht. Ich finde es schon erstaunlich, für wie wenig Geld man eine Woche auf dem schwimmenden Hotel verbringen kann. Allerdings: Es darf nicht während der Schulferien sein.

Wer zeitlich flexibel, auf keine spezielle Route festgelegt und vielleicht sogar kurzentschlossen ist, kann zu einem echten Schnäppchenpreis kreuzfahren.

Wer hingegen ein Luxusschiff mit wenigen Passagieren auswählt und/oder die Suite mit Butlerservice bucht, der kann – genau wie an Land – ein kleines Vermögen ausgeben.

Kreuzfahrten Schiff

These 4: Kreuzfahrtschiffe sind schwimmende Kleinstädte.

Nach unserer letzten Kreuzfahrt (mehr darüber …hier) kann ich dieser These auf jeden Fall zustimmen. Unser Ozeanriese für mehr als 6.000 Passagiere hatte u.a. Park, Shopping-Boulevard, Theater, Eislaufbahn, Karussell, Minigolfplatz, Basketballfeld, Joggingstrecke, Casino, Spa und Fitnessbereich, Klinik, Hubschrauberlandeplatz, mehrere Pools und Whirlpools, noch mehr Bars und Restaurants und, und, und. Das ist sogar mehr als manche Kleinstadt bietet.

Nach zehn Tagen auf dem Schiff hatten wir noch immer nicht alles gesehen und ausprobiert.

Kreuzfahrten Meer

These 5: Für Kreuzfahrten muss man seetauglich sein.

Sagen wir mal so: Besser ist das. Selbst bei ruhiger See schwankt das Schiff, wenn auch nur ganz sanft. Ein leichtes Schwanken habe ich auch bei den Landgängen und noch etwa einen Tag nach der Rückkehr gespürt.

Kreuzfahrt Schiff Interieur

These 6: Kreuzfahrten sind komfortabel.

Stimmt. Die modernen Schiffe sind in der Regel geschmackvoll eingerichtet, sehr gepflegt und bieten (fast) allen Komfort. Die Koffer werden zur Kabine gebracht und am letzten Abend dort auch wieder abgeholt. Der Zimmerservice kommt meistens zweimal täglich. Wer nicht will, muss sich um nix kümmern.

Kreuzfahrten

These 7: Auf Kreuzfahrten muss man sich immer schick machen.

Dem ist definitiv nicht so. Wir haben beide Male vor allem den Dresscode “leger” erlebt. An zwei Tagen war Abendgarderobe vorgeschlagen, woran sich die meisten auch gehalten haben. Wir fühlten uns teilweise wie bei einer Modenschau – echt toll, welche großartigen Roben manche Frauen mit an Bord genommen hatten! Wer trotzdem mit Jeans und T-Shirt rumlief, wurde aber auch nicht schief angeguckt.

Kreuzfahrten Essen und Trinken

These 8: Auf Kreuzfahrten isst und trinkt man nur.

Die Verlockung ist jedenfalls sehr groß. Es gibt 24 Stunden Verpflegung. Nicht alle Bars und Restaurants haben rund um die Uhr geöffnet, aber man findet IMMER irgendwo etwas.

Weil die Köche ihr Handwerk verstehen und es sehr lecker ist, besteht auf jeden Fall die Gefahr, mehr zu verzehren als nötig. Bei mir ist das immer so: An den ersten Tagen esse ich auch viel zu viel, einfach weil alles so gut aussieht und ich so viel wie möglich probieren möchte. Glücklicherweise lässt dieser Reflex nach einigen Tagen nach und mein Essverhalten wird wieder moderater.

Trotzdem ist es sicher nicht ungewöhnlich, dass die Waage nach der Kreuzfahrt etwas mehr anzeigt als vorher. Das kann aber für einen Urlaub an Land genauso gelten, oder?!

Kreuzfahrten Landgang Neapel

These 9: Auf Kreuzfahrten lernt man viele verschiedene Orte kennen.

Ja, diese Chance bieten Seereisen. Allerdings kann das Kennenlernen nur sehr flüchtig sein. Und genau das ist der Grund, warum ich (zumindest momentan) nicht zum Dauer-Kreuzfahrer werde.

In den meisten Häfen liegt das Schiff für sechs bis zehn Stunden. Je nach Hafen und nach Größe des Schiffes ist der Weg bis in die Stadt zu weit zum Laufen. Man nutzt also einen Shuttlebus oder bucht einen Ausflug. Rechnet man die Zeit für Hin- und Rückfahrt ab, bleibt nicht mehr viel für den Aufenthalt vor Ort. Mehr als ein kurzer Spaziergang ist selten möglich. Aber man kann sagen: “Ich war schon mal in XY.”

Man kann die Kreuzfahrt aber auch als Orientierungshilfe nutzen und an der Station, die besonders gut gefallen hat, den nächsten Urlaub verbringen. Wir würden zum Beispiel gerne Neapel wiedersehen – nicht nur wegen der köstlichen Pizza!

Kreuzfahrten Seetag

These 10: Seetage sind langweilig.

Die modernen Kreuzfahrtschiffe bieten so viel, dass Langeweile eigentlich zu keiner Zeit aufkommen kann. An Seetagen gibt es meist besonders viele Angebote. Wer möchte, kann von morgens bis abends was erleben. Manche Gäste nutzen den freien Tag aber auch zum Ausruhen.

Wir hatten in diesem Jahr zwei Seetage und beide fand ich großartig. An Land verpasst man nix und rund um das Schiff ist nichts als Blau. Da bekomme ich direkt wieder #meerweh!

 

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Pisa: Landausflug zum Schiefen Turm

 

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