Ruhrgebiet: Leben anne Bude

Nach der erfolgreichen Premiere 2016 gibt es in diesem Jahr wieder einen „Tag der Trinkhallen“. Das Ruhrgebiet feiert damit seine Büdchen, die einfach typisch sind für unsere Region. Die vielen Tausend Kioske sind beliebter Treffpunkt für ein Pläuschken beim Pilsken oder aber auch eine Art Not-Supermarkt umme Ecke. Hier kommen ein paar persönliche Zeilen über die Budenliebe im Pott.

Trinkhalle

„Bin ma anne Bude“ heißt es im Ruhrgebiet, wenn jemand zur Trinkhalle um die Ecke geht. Trinkhalle und Ruhrgebiet, das gehört zusammen wie Currywurst und Pommes. Trinkhallen sind eine Mischung aus Kiosk, Kneipe, Discounter und Stammtisch. Hier gibt es unter anderem Zeitschriften und Zigaretten, Eis und belegte Brötchen, Brause und Schnaps, Dosenmilch und Hundefutter. Nach Ladenschluss sind Trinkhallen die Rettung, wenn doch noch etwas fehlt und die nächste Tanke zu weit ist.

Trinkhalle

Angeblich gibt es im Ruhrgebiet über 15.000 Trinkhallen. Ihre beste Zeit war sicher, als die Fabriken bis zum Anschlag produzierten und die Kumpel fleißig Kohle kloppten. Auf dem Heimweg vonne Schicht legten die Arbeiter dann gerne an der Bude einen Stopp ein, um mit den Kollegen noch schnell ein Bierchen zu trinken, dabei über Weltpolitik zu diskutieren und eine zu rauchen. Die Bude war und ist ein Treffpunkt.

Trinkhalle

Leider schlossen seit den 1960er Jahren viele Fabriken und Zechen im Ruhrgebiet. Das merkten auch die Trinkhallen: Der Groschen saß einfach nicht mehr so locker. Deshalb musste auch manche Bude dichtmachen.

Trinkhalle

Natürlich gab es da, wo ich aufgewachsen bin, auch eine Trinkhalle. Nicht gerade um die Ecke, aber nach einer Viertelstunde zu Fuß war ich da. Ich habe dort vor allem Bonbons gekauft, die es im Supermarktregal nicht gab. Knöterich zum Beispiel. Oder diese Weingummikrokodile mit dem Schaumbauch – gibt es die eigentlich noch? Später holte ich mir dort jede Woche die „Bravo“.

Trinkhalle

Heute gehe ich kaum noch zur Bude. Zum letzten Mal war ich, glaube ich, vor vier Jahren da. Ich wollte im Büro einen Milchkaffee trinken, es war aber nur noch Dosenmilch im Kühlschrank. Also bin ich schnell an der Bude um die Ecke eine H-Milch kaufen gegangen.

Trinkhalle

Die Zeiten von „Bravo“ sind längst vorbei. Dafür nimmt die Vergesslichkeit zu. In Zukunft wird die Trinkhalle wahrscheinlich wieder häufiger meine Rettung sein.

 

 

 

 

 

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