Gegen den Weihnachts-Wahnsinn

Neulich ist mir im samstäglichen Stapel von Werbeprospekten ein für mich neues Angebot aufgefallen: die „Happy Christmas Hypnose“. Im Text gab es auch die Erklärung, warum sie angeblich notwendig ist: „Damit sich bald wieder Vorfreude auf Weihnachten einstellen kann.“ Wie bitte?! Brauchen wir jetzt schon Hilfe von außen, damit wir uns auf das Fest aller Feste freuen können? Und warum drehen viele in dieser ach so besinnlichen Zeit regelrecht am Rad?

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Nun ja, leider ist es wohl wirklich so, dass sich mehr Menschen auf die Zeit nach Weihnachten freuen als auf die Wochen davor. Einige Beispiele:

Einzelhandel: Wie rummelig es in unseren Innenstädten und Einkaufzentren in der Adventszeit immer ist! Überall Bling-Bling und die Pop-Weihnachtsklassiker. Lange Schlangen vor den Parkhäusern, an den Kassen, bei den Toiletten. Gedränge und genervte Menschen allerorten.

Gastronomen: Es beginnt im November mit dem Gänseessen. Rund um St. Martin sind die Restaurants regelmäßig ausgebucht. Das geht dann mehr oder weniger bis Silvester so weiter. Für die Mitarbeitenden in Gastronomiebetrieben ist das Akkordarbeit. Verständlich, dass sie einen Seufzer der Erleichterung ausstoßen, wenn die letzte Wunderkerze am Neujahrsmorgen erloschen ist.

Patchwork-Familie: Wenn man sich aufteilen muss, kann es schon ganz schön stressig werden. Ich kenne eine Familie, die sogar einen 3. Weihnachtstag eingeführt hat, um allen Familienmitgliedern gerecht zu werden. An den kompletten vier Feiertagen sind sie verplant.

Single oder Solitär-Familie: Weihnachten kann auch dann ungemütlich sein, wenn keiner da ist, mit dem man feiern kann oder möchte. An drei Tagen hintereinander gibt es wenig Möglichkeiten für alternative Beschäftigungen, weil Geschäfte und öffentliche Einrichtungen geschlossen sind und alle anderen ja feierliche Verpflichtungen haben.

Viel-Hobbyisten: Wer im Fußball-Verein ist, Judo macht und im Chor singt, ist wahrscheinlich auch zu drei Weihnachtsfeiern eingeladen. Aus Freude wird Pflicht. 

Besinnlichkeit? Fehlanzeige! Da macht der Satz zur Begründung für die Happy Christmas Hypnose durchaus Sinn: „Zwischen Organisationsstress und Reizüberflutung geht vielen das Gefühl für die Weihnachtszeit verloren.“

Wie können wir denn rauskommen aus diesem Weihnachts-Wahnsinn – vielleicht auch ohne Coaching oder Hypnose?

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Das versuche ich im Advent zu beherzigen:

  • Termine frühzeitig planen. Den Tag für die Weihnachtsfeier bzw. das gemütliche Beisammensein zum Fest kann man auch schon im Herbst festlegen.
  • Die letzten Wochen des Jahres nicht zu vollstopfen. Nicht jeden Tag verplanen. Ich habe deshalb in der Vergangenheit zum Beispiel aus mancher Weihnachtsfeier einen Neujahrsauftakt gemacht.
  • Prinzipiell kaufe ich lieber im Geschäft. In der Vorweihnachtszeit bestelle ich manches aber auch online – das spart Nerven beim Parkplatzsuchen und im innerstädtischen Gedränge.
  • Geschenke immer sofort einpacken. Ich habe wirklich viel einzupacken: nicht nur die Weihnachtsgeschenke, sondern auch Kleinigkeiten für den Adventskalender. Das mache ich immer in Etappen. Damit ich nicht durcheinander komme, notiere ich an einer unauffälligen Stelle eine Nummer und führe eine Geschenkeliste. Es ist mir nämlich vor einigen Jahren auch schon passiert, dass ich nicht mehr wusste, was ich da vor Wochen eingepackt hatte und es selbst wieder auspacken musste…
  • Weihnachtsmärkte sind schön – wenn man auch etwas davon sieht und nicht nur durchgeschoben wird. Ich gehe deshalb lieber von Montag bis Donnerstag am frühen Abend.
  • Ansprüche reduzieren. Ich brauche nicht fünf verschiedene selbst gebackene (und womöglich noch komplizierte) Plätzchensorten. Auch das Weihnachtsmenü muss für mich nicht sterneküchenmäßig sein.
  • Am 23. und 24. Dezember betrete ich möglichst kein Geschäft mehr.
  • Auch wenn es schwer fällt: Manchmal hilft einfach nur Nein-Sagen. Oft ist das Verständnis größer als befürchtet!

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Auch wenn ich – beruflich und privat – noch einiges zu erledigen habe in den Wochen bis zum Fest: Ich hoffe, dass ich in diesem Advent nicht am Rad drehen muss und keine Happy Christmas Hypnose brauche.

Jedenfalls freue ich mich auf Vorweihnachtszeit und wünsche einen möglichst besinnlichen und gemütlichen Advent!

 

2 Kommentare


  1. // Antworten

    Hahaha, das ist mir auch schon passiert, dass ich nicht mehr wusste, was in den von mir verpackten Päckchen war!
    Ich bin ja gar kein Fan von vorweihnachtlichem Getümmel in den Städten und meide Weihnachtsmärkte. Umso entspannter fand ich es letztes Jahr, als wir uns den ganzen Dezember in Asien rumgetrieben haben.

    Liebe Grüße
    Gina


    1. // Antworten

      Also gegen Asien statt Adventsgetümmel hätte ich auch nichts einzuwenden! 😉
      Liebe Grüße
      Anja

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