Duisburg: Ein Künstler in zwei Museen

Das künstlerische Schaffen von Erwin Wurm ist vielseitig: Skulpturen, Fotos, Bilder, Texte und mehr. Eigentlich zu vielseitig für nur ein Museum. Zwei Duisburger Kunsthäuser – Lehmbruck und Küppersmühle – machen deshalb in den nächsten Monaten gemeinsame Sache. Beim Instawalk #wurminduisburg durfte ich mir die ungewöhnlichen Werke des österreichischen Gegenwartskünstlers an den beiden Standorten ansehen.

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Im Lehmbruck Museum ging es gleich mit einer Überraschung los. Der Instawalk hatte offiziell noch gar nicht begonnen, wir nippten noch an unserem Getränk und knüpften erste Kontakte, da fing eine junge Frau auf einem schlichten Podest plötzlich an, laut und deutlich komische Sachen zu sagen. Manche Sätze wiederholte sie. Dabei schaute sie niemanden direkt an und bewegte sich kaum.

Diese „Wortskulpturen“ sind Teil der Ausstellung. Die Phrasen hat der Künstler vorgegeben. Sie sollen bei dem Besucher Bilder im Kopf erzeugen und somit sozusagen unsichtbare Kunstwerke, die individueller wohl nicht sein könnten.

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Eines der auffälligsten Werke von Erwin Wurm, der knallrote, übergewichtige Porsche, hat einen der prominentesten Plätze in dem puristischen Museumsgebäude. Das Auto ist eine Art Karikatur und soll die weniger schöne Seite der Überfluss- und Konsumgesellschaft zeigen. Fahrtauglich ist der Flitzer so jedenfalls nicht mehr.

Der 1954 geborene Erwin Wurm gilt als Meister der ironischen Abgründe und des skurrilen Humors. „Vor mir ist nichts sicher“, sagt er über sich selbst. Seine teils gesellschaftskritischen Werke sind in den großen Museen dieser Welt zu sehen, aktuell auch bei der Biennale in Venedig.

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Im hinteren Teil des Lehmbruck Museums ist eine Art „Wohnzimmer“ eingerichtet mit extrem auffälligen Tapeten, die den Künstler in verschiedenen skurrilen Posen zeigen.

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Hier sind Exponate zu sehen, die erst fertig sind, wenn der Besucher sie vollendet. Und dazu soll er sich betrinken. Was genau zu tun ist, hat Erwin Wurm aufgeschrieben, zum Beispiel: „Alkohol herausholen, ins Glas einschenken und trinken. Die Skulptur ist realisiert, wenn Akteur betrunken ist.“

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„Land der Berge“ und „Vaterland“ heißen zwei neue Wurm-Werke. Zu sehen sind 55 kleine, dunkle Häuflein, in die Müllstücke gepresst sind, an den Wänden dazu 36 Grafiken.

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Meine beiden Lieblingsskulpturen der Ausstellung: Halber Big Suit (2016) und The Artist who Swallowed the World (2006).

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Nach gut einer Stunde machten wir einen Standortwechsel und legten den kurzen Weg ins Museum Küppersmühle am Innenhafen zurück. Auch hier ist Erwin Wurm zu sehen, aber „komplett anders“, wie die Kuratorin ankündigte: „Hier geht es um Strick.“ Gemeint ist nicht der Strick im Sinne von Seil, sondern vielmehr Gestricktes. Im Museum? Na gut!

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Das wohl spektakulärste Stück der Ausstellung ist der „Wandpullover“: Etwa 90 Meter Museumswand sind mit einem in Bangkok produzierten leuchtend grünen Strickstoff behängt! Wie haben die das an die Wand und um die Ecken gekriegt, frage ich mich?! Man muss durch fünf Ausstellungsräume laufen, um das gesamte Werk zu erfassen.

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Entlang des Weges: Strickobjekte in allen möglichen Varianten. Stehend, liegend, gestapelt, an der Wand. Mit Ärmeln, Kragen und zum Reinschlüpfen,

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Erwins Wurms bekannte „One Minute Sculptures“ fordern die Besucher auf, anhand von knappen Handlungsanweisungen und alltäglichen Requisiten wie Stiften und Büchern selbst für eine Minute zur Skulptur zu werden. Einige der Instawalker waren hier ausgesprochen experimentierfreudig und hatten richtig Spaß. Auch mir hat der Ausflug in die zeitgenössische Kunst sehr gut gefallen. Was ich da so alles gesehen habe!?!

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I LOVE MY TIME   –   ENDE

Mit diesen Stickbildern (Wolle auf Leinwand) ist alles gesagt. Wenn du mehr sehen möchtest: Schau dir bis zum Herbst die Doppelausstellung an! Ich finde, es lohnt sich.

 

Im Dezember 2016 war ich schon einmal zum Instawalk im Lehmbruck Museum.
Meinen Beitrag darüber findest du …hier.

 

 

 

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